Von ihren Gesichtszügen her wirkt Monica Bleibtreu wie eine stämmige bayerische Bäuerin, füllig und mit vollen Lippen, mütterlich vom Typus, distanziert und kontrolliert im Umgang, was ihr zu Beginn ihrer Karriere zu nur wenigen Film- und Fernsehrollen verhalf. Dafür wirkte die 1944 in Wien geborene Tochter einer Künstlerfamilie - nach ihrem Ururgroßvater ist die Bleibtreustraße in Berlin benannt - nach der Ausbildung auf dem Reinhardt-Seminar früh und kontinuierlich auf dem Theater, gehörte zum legendären Ensemble der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin und trat in Wien, Salzburg und München auf. In den 80er-Jahren legt sie eine Auszeit ein, hat von 1993 bis 1998 eine Professur für Schauspiel an der Hochschule in Hamburg.
1998 tritt sie wieder ins Rampenlicht: An der Seite ihres Sohnes Moritz (aus der Beziehung mit dem Schauspieler Hans Brenner) ist sie in einer kleinen Rolle im Kinoerfolg "Lola rennt" zu sehen. Von da an häufen sich die Angebote, Bleibtreu wird begehrte eigenwillige Charakterdarstellerin in Film und Fernsehen, wo sie als dominantes mütterliches Familienoberhaupt ("Die Manns", für den 2005 sie den Adolf-Grimme-Preis in Gold erhält), tückisch brummige Bäuerin ("Verlorenes Land"), Helene Weigel, Geliebte von Bertolt Brecht ("Abschied") und in Erfolgsfilmen wie "Bibi Blocksberg" (als Walpurgia) reüssiert und mit ihrer gleichwohl besonnen kraftvollen Präsenz Szenen stiehlt.
Nach Auftritten in der TV-Spielfilm-Reihe "Der Pfundskerl" mit Ottfried Fischer als Reporter Engel übernahm sie die Hauptrolle in "Marias letzte Reise", einem Film von Rainer Kaufmann. Sie spielte eine vom Krebs gezeichnete, willenstarke Bäuerin, die zu Hause sterben will. Zu den zahlreichen Auszeichnungen gehörten der Blaue Panther als Sonderpreis für hervorragende schauspielerische Leistung (zusammen mit Kollegen Nina Kunzendorf und Günther Maria Halmer) 2005 und der zweite Adolf-Grimme-Preis in Gold. Ebenso erfolgreich und mit dem Deutschen und Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet war ihre nächste große Rolle in "Vier Minuten" in einer Inszenierung von Chris Kraus. Als Klavierlehrerin in einem Gefängnis hat sie es mit einer eigenwilligen, aber hoch talentierten Schülerin (Hannah Herzsprung wurde hierfür als bei der Verleihung der Bayerischen Filmpreise als beste Nachwuchsschauspielerin geehrt) zu tun. Weitere Nebenrollen folgten, darunter auch ein Auftritt in dem Regiedebüt von Anna Justice in "Max Minsky und ich" als Risa Ginsberg. 2007 gehörte sie zu den Preisträgern der Goldenen Feder, einem Medienpreis, der Personen ehrt, die sich in der Medienwelt dauerhaft etablieren konnten.
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