Er ist Hollywoods jüngster Oscar-Preisträger und ein Frauentyp vom Scheitel bis zur Sohle. Trotzdem besetzen ihn die großen Regisseure lieber als kaputten Außenseiter. Nur Peter Jackson traut Adrien Brody den romantischen Liebhaber im Popcornmovie zu: an Weihnachten in "King Kong".
Er gilt als eines der größten Schauspieltalente seiner Generation, Kritiker nennen Adrien Brody in einem Atemzug mit Größen wie Robert De Niro und Al Pacino.
Schön, schlank, stolze 1,87 groß - nicht erst seit seiner berühmten Kussszene mit Halle Berry bei der Oscar-Verleihung stehen die Damen auf Adrien. Der sah früher sogar noch makelloser aus, doch dann verlieh ihm ein Nasenbeinbruch bei den Dreharbeiten zu dem Thriller "Summer of Sam" das nötige Quäntchen Charakter. Schließlich hat auch Owen Wilson der Knick im Zinken nicht geschadet.
Adrien Brody wird am 14. April 1973 in New York geboren. Seine Eltern sind die vor den Kommunisten aus Ungarn geflohene, spätere Village-Voice-Starfotografin Sylvia Plachy und der jüdische Geschichtslehrer Elliott Brody. Sie und die aus Polen eingewanderten Großeltern väterlicherseits versorgen Adrien mit dem nötigen kulturellen Input und fördern seine musischen Neigungen, während die rauen Straßen von Queens zumindest inwendig einen robusten Burschen aus dem zarten Einzelkind formen.
Mutter Sylvia ist es auch, die dem Knaben jede Scheu vor der Kamera nimmt und ihn schließlich im Alter von gerade mal zwölf Jahren auf die La Guardia High School of Performing Arts in Manhattan schickt, wo sich Brody als einer von drei Jungs in einer Klasse mit 20 Mädels pudelwohl fühlt.
Als 15-Jähriger gibt Adrien sein Debüt als Mary Tyler Moores Stiefsohn in der ziemlich bald abgesetzten Sitcom "Annie McGuire", nur ein Jahr später spielt er schon für Francis Ford Coppola in dessen Episode "Life Without Zoe" der "New York Stories".
Danach besteht der junge Brody die Führerscheinprüfung und kauft sich ein schnelles Motorrad. Damit überspringt er kunstvoll ein entgegenkommendes Auto und segelt mit beiden Beinen voran in den Gehsteig. Er verbringt Monate im Krankenhaus und mit Reha-Maßnahmen, bis er wieder zu seiner Lieblingsmucke (Hiphop) tanzen kann. Heute schwört er auf einen Hummer, da kann im Gegenverkehr kommen, was will.
Glücklich geheilt und nunmehr 20 Lenze jung, stürzt sich Adrien in die Arbeit. Die Kritiker feiern ihn als Spieler in "Nothing to Lose" und eigenwilligen Künstler in "King of the Hill", in "The Last Time I Committed Suicide" gibt er den schwulen Beatnik und für William Friedkin einen Rocker in "Jailbreakers". Schwierige Typen und Charakterstudien werden seine Domäne, Helden und Liebhaber spielen andere.
Dann scheint der große Durchbruch unmittelbar bevorzustehen: Regieexzentriker Terrence Malick, erst zum drittenmal seit 1973 in Aktion, wünscht Brody als tragende Figur für sein Zweiter-Weltkriegs-Drama "Der schmale Grat". Groß ist dementsprechend die Enttäuschung, als sein Part am Schneidetisch auf Cameo-Größe reduziert wird.
Zumindest darf er sich nun als Punk unter Spießern für Spike Lees "Summer of Sam" die Nase brechen lassen, dafür gibt's wieder gute Kritiken, doch kaum Boxoffice-Quote. Im guten, doch wenig bekannten Thriller "Oxygen" überzeugt Adrien als perfider Serienkiller, bevor er mit Ken Loachs Arbeiterdrama "Bread and Roses" weitere hymnische Kritiken erhält.
Die Zeit ist nun reif für den großen Wurf beim breiten Publikum, und der stellt sich 2002 erfreulicherweise mit einem vielfach preisgekrönten Kunststück ein. Brody übernimmt die Titelrolle in dem Holocaust-Drama "Der Pianist" von Roman Polanski und enttrohnt prompt Richard Dreyfuss als bis dato jüngsten männlichen Oscar-Preisträger aller Zeiten. Auch erhält er als erster amerikanischer Schauspieler überhaupt den César, das französische Äquivalent zum Oscar.
Der Schauspieler, dessen Privatleben so gut wie nie für Schlagzeilen sorgt, zählt nun laut VH1 zu Amerikas "Hottest Hotties" und wird von "Esquire" zum bestgekleideten Mann des Landes gewählt. Doch während andere in solcher Situation bloß noch auf Hauptrollen warten, hat Adrien auch weiterhin kein Problem mit kleinen, schrägen Charakterparts.
So gibt er in seinem nächsten großen Film nach "Der Pianist", Night Shyamalans "The Village", den Dorfdeppen und steigt vor "The Jacket" erst mal in den Isolationstank, um sich auf die Rolle eines traumatisierten Golfkriegsheimkehrers unter Mordverdacht vorzubereiten.
Selbst wenn, was kaum anzunehmen ist, Jacksons Affenmär grausam floppen sollte, haben mit Sicherheit weltweit noch nie so viele Menschen einen einzelnen Film mit Adrien Brody gesehen wie "King Kong". Der Fachmann für Problemfälle könnte damit die nächste Stufe des Ruhms erklimmen und zum massenkompatiblen Leading Man aufsteigen. Wenn es optimal läuft.
Ansonsten aber wird Brody sicher kein Problem damit haben, die anspruchsvolle Gemeinde auf weitere Jahrzehnte mit Mördern, Freaks, Künstlern und Exzentrikern bestens zu unterhalten.
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