"Hollywood ist ein Riesenkaufhaus und verkauft Schuhe. Ich bin der kleine Handschuhmacher von nebenan." Robert Altman gehört zu den wenigen Regisseuren der Traumfabrik, die sich in einer langen Karriere treu geblieben sind und auch in fortgeschrittenem Alter den einst selbst gesetzten Qualitätsmaßstäben noch genügen.
Getreu dem Motto "Filme zu machen bedeutet die Chance, mehrere Leben zu leben" dreht Robert Altman seit den 60er Jahren Filme für jene erlesene Publikumsminderheit, die Geschichten den Effekten vorzieht und auch komplexeren Handlungsgeflechten zu folgen in der Lage ist.
Sein analytischer Blick und satirische Schärfe sind gefürchtet, und obwohl die Kasse nicht immer so klingelt wie bei "MASH" oder "Short Cuts", drängeln sich größten Stars der Branche, für einen Bruchteil des üblichen Salärs in seinen Werken aufzutreten.
Geboren am 20. Februar 1925 in Kansas City, Missouri, als Sohn eines Versicherungsvertreters, kam Robert Altman über die Technik zum Film.
Nach der Militärzeit, die ihn unter anderem in den Co-Pilotensessel B-24-Bombers im Zweiten Weltkrieg katapultierte, heuerte der Gelegenheitschriftsteller 1947 bei einer Produktionsgesellschaft für Industriefilme in Kansas City an, wo er die kommenden zehn Jahre mit Sachen wie Management-Training oder der Entwicklung besserer Tonqualitäten zubrachte.
Lehre bei Hitch
In den späten 50ern bot das Fernsehen aufstrebenden Talenten neue Betätigungsfelder, und eine unabhängig produzierte Doku über James Dean geriet zu Altmans Eintrittskarte in die neue Welt.
Beim Fernsehen fiel das Auge von Thrillmeister Hitchcock wohlwollend auf das Greenhorn, das darob Episoden für TV-Shows wie "Alfred Hitchcock Presents", "Bonanza", oder "Peter Gunn" dirigieren durfte.
Altman aber wollte Kino machen. 1970 kam ihm das Script einer Militärsatire unter, die zuvor bereits von fünfzehn (!) Kollegen nacheinander abgelehnt worden war.
Frontbesuch
Er, der noch wenige Jahre zuvor beim Fernsehen mit der pazifistischen Unterwanderung der Militärserie "Combat" glorios gescheitert war, sah sofort das kontroverse Potential, das in der offenkundig auf die aktuellen Zustände in Vietnam gemünzten Komödie schlummerte. "MASH" wurde Altmans größter kommerzieller Erfolg, trug ihm eine Oscar-Nominierung ein und machte ihn auf Anhieb zu einem Star des New American Cinema.
Die Liste der Filme, die Altmans Ruf als scharfzüngiger Gesellschaftchronist und kunstsinniger Kritiker des American Way of Life begründeten und festigten, ist lang und beinhaltet keineswegs nur Meisterwerke.
Stehauf-Man
Auf solche wie "MASH", "Nashville" (seine zweite Oscar-Nominierung), "Fool for Love - Verrückt vor Liebe" oder "The Player" kommen etliche Ausrutscher wie etwa der von den Kritikern geliebte, beim Publikum jedoch verhasste "Buffalo Bill und die Indianer", die planlose Politsatire "Health" oder der bodenlose "Popeye".
Gleichwohl ist Altman jederzeit in der Lage mit neuem Glanz auf die Leinwände zurück zu kehren und belächelten Flops wie "Prêt-à-Porter" oder der Grisham-Verfilmung "Gingerbread Man" ein künstlerisches Filetstück wie "Gosford Park" folgen zu lassen.
So darf man gespannt sein, was dem Altmeister im kommenden Jahrzehnt noch alles einfallen wird. Die Besetzung seiner kommenden Komödie "Voltage" mit gern gesehenen Charakternasen wie Liv Tyler, Bob Balaban, Joaquin Phoenix, Macy und Harry Belafonte lässt jedenfalls einiges erhoffen.
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