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Biografie

"Die werden uns nicht kriegen. Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs." Mit diesem coolen Filmzitat aus "Blues Brothers" machte Dan Aykroyd sein alter Ego Elwood Blues 1980 zu einer weltweiten Kultfigur und setzte somit den Startschuss für seine Kinokarriere.

Angefangen hat alles in der legendären TV-Comedy-Show Saturday Night Life. Dort heizte Dan Aykroyd zusammen mit dem zweiten Blues-Brother, John Belushi zunächst nur das TV-Publikum an. Die beiden Soulmusiker in den abgetragenen schwarzen Anzügen, wurden immer beliebter und fanden sich bald im Vorprogramm von Steve Martins Bühnenprogramm wieder.Eine CD folgte und stürmte sofort die Charts.

Die Zeit was also reif für einen Blues-Brothers-Kinofilm. John Landis übernahm die Regie und schrieb zusammen mit Dan Aykroyd das Drehbuch. Eine Reihe von Soulgrößen, wie James Brown, Aretha Franklin und Ray Charles machten das Roadmovie zu einem einmaligen Hörerlebnis und die halsbrecherischen Autofahrten der Ganoven-Brüder sorgten für spaßige Action.

Jake und Elwoods Mission im Auftrag des Herrn fand bei der Presse allerdings wenig Anklang. Trotz vernichtender Kritiken waren die Zuschauer begeistert und der Film erreichte absoluten Kultstatus. Belushi und Aykroyd entwickelten sich zum gewinnbringendsten Comedypaar des Showgeschäfts.

Die Beiden lernten sich 1973 in Toronto bei der Second City Comedy Truppe kennen. Nachdem sich ihre Wege wieder trennten, überredete Belushi Aykroyd 1975 zu Saturday Night Live, zu der Show, in der sie später neue Comedy-Maßstäbe im Fernsehen setzten. "Als wir uns das erste Mal sahen, war da sofort eine Verbindung," erinnert sich Dan Aykroyd, als er sich bereits ein Appartement mit Belushi in New York teilte. Neben Amerikas Top-Komikern wie Chevy Chase und Bill Murray erreichte Dan Aykroyd eine enorme Popularität. Doch besonders zusammen mit John Belushi war er unschlagbar und das nicht nur vor der Kamera: Für die zweite Staffel der Comedy-Show verbrachten sie Tag und Nacht im Studio, um Gags zu schreiben und neue Charaktere zu erfinden.

Kein Wunder also, dass die zwei Comedians auch gemeinsam die Leinwand erobern wollten. Belushi hatte 1978 schon einen Kinoerfolg mit "Ich glaub, mich tritt ein Pferd" und Aykroyd war in "Love at First Sight" zu sehen.

Aber 1979 sollte der Durchbruch kommen: Steven Spielberg engagierte sie für die Pearl-Harbor-Komödie "1941 - Wo, bitte, geht's nach Hollywood?". Doch der 40 Millionen Dollar Film wurde von den Kritikern zerrissen und floppte auch an den Kinokassen. Die Enttäuschung war ein Jahr später, nach dem enormen finanziellen Erfolg von "Blues Brothers" vergessen, und Belushi und Aykroyd verließen das Team von Saturday Night Live, um sich vollkommen ihrer Schauspielkarrieren zu widmen.

Ihr nächster Coup war "Die verrückten Nachbarn". Eine absurde Komödie, in der Belushi und Aykroyd die gewohnten Rollen tauschten. Belushi spielt den geradlinigen Familienvater, der von seinem irren Nachbarn, Aykroyd, in den Wahnsinn getrieben wird. Auch dieser Film brachte den beiden Kumpels kein Kritikerlob ein und fand nur ein kleines Publikum. Doch Dan Aykroyd war schon wieder drauf und dran, neue Charaktere und Ideen für weitere Filme, mit ihm und seinem Partner, zu Papier zu bringen. Unter anderem schrieb er bereits am Drehbuch für "Ghostbusters - die Geisterjäger".

Aber leider sollte "Die verrückten Nachbarn" Belushis und Aykroyds letzter gemeinsamer Film bleiben. Denn 1982 starb John Belushi an einer Überdosis Heroin und Kokain. Das bedeutete einen tiefen Einschnitt in Dan Aykroyds Leben, er verlor nicht nur seinen Filmpartner, sondern auch seinen besten Freund. "Der Kummer war nur schwer zu ertragen. Ich vermisse ihn. Aber ich muss realistisch sein. Ich war privilegiert, ihm so nahe sein zu dürfen. Natürlich sind da Zeiten, in denen ich - also, ich denke immer noch die ganze Zeit an ihn", berichtete Aykroyd ein Jahr nach Belushis Tod.

Er liess sich aber nicht entmutigen und erholte sich von diesem Schock: "Es gibt keinen Grund, warum ich mich glücklich fühlen sollte. Mein Partner starb bevor ich 30 wurde, gerade als wir eine unglaubliche Zukunft vor uns hatten. Ich ging durch die Hölle wegen der Trauer, doch irgendwie habe ich es geschafft, mich wieder aufzuraffen und daran zu wachsen."

Dan Aykroyd zog nach Kalifornien und begann ein neues Leben. In den kommenden drei Jahren beeindruckte er mit einer enormen Präsenz. Er wirkte in acht Filmen mit und erreichte 1983 mit seiner Hauptrolle in "Die Glücksritter" neben Eddie Murphy zum ersten Mal auch Anerkennung von Seiten der Kritiker. Im selben Jahr hatte er einen Gastauftritt in "Unheimliche Schattenlichter", dem Kinofilm zur Kultserie Twilight Zone, und übernahm die Hauptrolle in " Detroit": Als Collegeprofessor gerät Dan Aykroyd zufällig in die Unterwelt Chicagos und erklärt unter dem Namen Dr. Detroit der Mafia den Krieg. Bei den Dreharbeiten verliebte sich Aykroyd in Filmpartnerin Donna Dixon, die er noch im selben Jahr heiratete.

Privat wie auch beruflich, standen also alle Lichter auf grün und 1984 war dann sein Jahr: Zunächst wirkte er in "Indiana Jones und der Tempel des Todes", dem zweiten Teil der extrem erfolgreichen Abenteuer-Trilogie von Steven Spielberg mit und danach kam "Ghostbusters - die Geisterjäger".

Dan Aykroyd beschäftigte sich schon seit einigen Jahren mit der Geschichte um zwei technik-besessene Hausmeister, die übernatürliche Phänomene untersuchen und Geistern hinterher jagen. Sein Interesse für das Paranormale wurde ihm förmlich in die Wiege gelegt. Er wuchs mit seinem jüngeren Bruder, Peter, in einem alten Farmhaus auf, das seit fünf Generationen in Familienbesitz war. Die Großeltern hielten Seancen ab, der Vater fungierte als Medium und die Mutter erzählte von Geistererscheinungen. Das Haus steckte also voller spiritueller Energie, die Dan gruselte aber auch faszinierte. Auf der einen Seite wurde er schon früh an die Welt des Übernatürlichen herangeführt, auf der anderen Seite war da die strenge katholische Erziehung, durch die der Vater versuchte das hyperaktive Kind zu disziplinieren.

Alle Versuche schlugen fehl und auch Hiebe mit dem Gürtel bewahrten Dan nicht davor, mit 14 Jahren wegen Trunkenheit festgenommen zu werden. Aus dem Priesterseminar wurde er später ausgewiesen und so studierte er Kriminologie und Soziologie an der Carleton Universität in Ottawa. Dort machte er erste Schauspielerfahrungen in der Theatergruppe und spielte Mundharmonika in mehreren Bands. Doch er benahm sich auch als Student noch wie ein wilder Teenager. Dan Aykroyd nennt sich selbst einen "großmäuligen, abscheulichen Trottel", wenn er an diese Zeit zurückdenkt.

Er verliess die Universität ohne einen Abschluss und wirkte in Werbespots und kleineren TV-Comedy- und Kindersendungen mit. So konnte er Erfahrungen als Drehbuchautor und Darsteller machen. Nebenbei führte Dan Aykroyd einen Nachtclub in Toronto, wo er dann später ein Mitglied der neugegründeten Second City Comedy Truppe wurde und neben John Belushi auch schon mit Bill Murray zusammenarbeitete.

Bill Murray war der Erste, dem Aykroyd 1984 seine vorläufige Version des Ghostbuster - Drehbuchs zeigte. Er war begeistert und so reichte Aykroyd das Skript an seinen alten Bekannten, den Regisseur Ivan Reitman, weiter. Auch Reitman war überzeugt, doch das Drehbuch brauchte eine Generalüberholung. So wurden mit Hilfe von Drehbuchautor Harold Ramis aus den beiden Hausmeistern drei arbeitslose Wissenschaftler mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Neben Bill Murray als coolem Draufgänger, Dan Aykroyd als technisch versiertem Denker, übernahm Ramis selbst den Part des Computer-Freaks. Die Sache war einfach perfekt, alles stimmte und so wurde "Ghostbusters - die Geisterjäger" zur absoluten Kultkomödie der 80er Jahre. Vier Jahre später folgte mit "Ghostbusters II" eine würdige Fortsetzung, nicht zuletzt weil das gesamte Team, vor und auch größtenteils hinter der Kamera wieder mit von der Partie war. Ein dritter Teil ist zur Zeit in Planung.

Dan Aykroyd entwickelte sich also im Laufe der 80er Jahre zu Amerikas beliebtestem Komiker und war von der Leinwand nicht mehr wegzudenken. Es folgten Filme wie "Kopfüber in die Nacht" und "Spione wie wir". Bei letzterem war Aykroyd wieder einmal mitverantwortlich für das Drehbuch und agierte vor der Kamera mit seinem Saturday Night Live Kollegen Chevy Chase. In "Schlappe Bullen beißen nicht" bildete er mit Tom Hanks ein ungleiches Polizistenpaar und in "Meine Stiefmutter ist ein Alien" konnte der Kanadier an der Seite von Kim Basinger seinem Fable für das Übernatürliche folgen.

1989 kam dann der Wechsel ins ernsthafte Fach. In "Miss Daisy und ihr Chauffeur" spielt Aykroyd den Sohn einer alten Dame (Jessica Tandy), die über ein Vierteljahrhundert hinweg ein freundschaftlich-distanziertes Verhältnis zu ihrem schwarzen Chauffeur (Morgan Freeman) gepflegt hat. Die für den Komiker ungewöhnliche Rolle brachte ihm eine Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle ein.

Einmal Komiker - immer Komiker. Trotz des Erfolgs als Charakterdarsteller, blieb Dan Aykroyd bei seinen Leisten und versuchte sich 1991 mit "Valkenvania" erstmals auch als Regisseur. Ein Experiment, das er lieber gelassen hätte. Die Komödie um ein total durchgeknalltes Verkehrsgericht, für die Aykroyd auch das Drehbuch schrieb, ist wohl eher unterder Kategorie "enttäuschendes Erstlingswerk" abzulegen und sollte am besten schnell in Vergessenheit geraten.

Ganz anders: "My Girl - Meine erste Liebe" - die Geschichte eines heranwachsenden Mädchens, das im Laufe eines Sommers mit Liebe und Tod konfrontiert wird. Dan Aykroyd überzeugt als Harry Sultenfuss, dem einfühlsamen Vater, der seit dem Tod seiner Frau, zum ersten Mal selbst wieder die Liebe entdeckt. Auch in der Fortsetzung "My Girl 2 - Meine große Liebe" von 1994 übernimmt er wieder zusammen mit Jamie Lee Curtis den Erwachsenen-Part in der Teenager-Romanze.

1993 kehrte Aykroyd zu seinen Wurzeln zurück und ließ die Zeiten von Saturday Night Live wieder aufleben. Er brachte "Die Coneheads", eine Alienfamilie, mit der er schon früher im Fernsehen Erfolge feierte, ins Kino. Das zeigt auf ein Neues, dass UFOs, Ausserirdische und übernatürliche Phänomene im Leben des 49jährigen Hollywood-Stars eine ebenso große Rolle spielen, wie der Blues und Motorräder.

Der begeisterte Harley-Davidsson-Fahrer ist Teilhaber der amerikanischen Restaurantkette House of Blues, in dessen Filialen er mit der Blues-Brothers-Band immer noch gelegentlich auf der Bühne steht. Und es war auch die Liebe zum Blues, die 1998 das Unmögliche wahrmachte. Nach dem Tod von John Belushi war für Dan Aykroyd eine "Blues Brothers"-Fortsetzung einfach undenkbar gewesen. Doch die Geschichte war nach dem ersten Film nicht zu Ende und so setzte sich Dan Aykroyd wieder an den Schreibtisch und arbeitete am Drehbuch für "Blues Brothers 2000". Was vor 18 Jahren die Leute begeisterte, funktionierte auch im zweiten Teil: schwarze Anzüge, Musik, R&B-Stars und unzählige Autounfälle.

Seit fast 25 Jahren ist Dan Aykroyd eine feste Größe im Filmgeschäft. Es wäre wohl gelogen, wenn man behaupten würde, er habe nur Erfolge gehabt. Neben vielen Erfolgskomödien und Kultfiguren, stehen auch einige Flops in seiner Vita. Bewundernswert ist, dass er niemals eine Pause eingelegt hat. Dieses Jahr wirkte er in Ivan Reitmans "Evolution" mit und auch im Blockbuster "Pearl Harbor" hatte er eine Nebenrolle. Die nahe Zukunft ist weitgehendst verplant. Unter anderem wird man den 49jährigen Superstar in dem Drama "Haus Bellomont" an der Seite von Gillian Anderson und in Woody Allens neuem Werk "The Curse of the Jade Scorpion" sehen.

Langsam scheint Dan Aykroyd aber doch die Luft auszugehen. Im August hat er angekündigt sich aus dem Showgeschäft zurückzuziehen. Der erste Schritt ist bereits getan: Er hat mit seiner Familie Hollywood verlassen, um wieder in seiner Heimat Kanada zu leben. Er wolle sesshaft werden und fühle sich ohnehin etwas öffentlichkeitsscheu, berichtete Dan Aykroyd. Doch es gibt keine Anzeichen dafür, dass er wirklich alles hinter sich lassen will, ein Comeback ist nicht ausgeschlossen: "Ich möchte einfach für eine Weile aufhören." Sein großer Wunsch ist es, seiner Karriere ein würdiges Ende zu bereiten.

bd (09/2001)

Fotos: Warner, UIP, MFA, Buena Vista, Kinowelt, Filmwelt, Columbia

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