Auch in seinem zweiten Spielfilm, einer pechschwarzen Großstadt-Komödie, sind die dokumentarischen Wurzeln von Michael Glawogger deutlich erkennbar.
Er besitzt einen untrüglichen Blick für das Leben, ein Gespür für die Menschen von denen er erzählt, der österreichische Dokumentarist Michael Glawogger, vielfach ausgezeichnet für "Workingman's Death" und "Megacities". Was man seinen beiden Spielfilmen auch deutlich ansieht, der schrägen Post-Hippie-Indie-Sexklamotte "Nacktschnecken", in der der Begriff Ficktion wortwörtlich genommen wird, und der bitterbösen Dramödie "Slumming". Durch die Nacht ziehen hier die (Anti-)Helden, durch Wiens Billig-Beisel, Go-Go-Schuppen und triste Trinkstuben. Franz Kallmann, Quartalsäufer, Poet und Nervensäge, dem die Stadt längst den Strom abgedreht hat und der laut pöbelnd versucht, Gedichte zu verkaufen und Hochprozentiges zu schnorren. Derweil Sebastian und Alex in derselben Umgebung Milieustudien treiben, Frauen aufreißen, böse Spielchen spielen und auf die Volksschullehrerin Pia stoßen, die am Wochenende als Disko-Garderobiere ihr Gehalt aufbessert.
Vier Personen, vier Schicksale, vier Geschichten und wie diese ineinandergreifen.
Abgestürzt, abgerissen, der vom Allround-Talent Paulus Manker mit wüster Wucht gespielte Trinker, kalt, aalglatt, der Schönling Sebastian (August Diehl), willfährig dessen Trabant Alex (Michael Ostrowski) und lieb, vielleicht zu lieb, die naive Pia (Pia Hierzegger). Sie zieht los, ganz Gutmensch, Kallmann zu retten, den die Kumpel im bewusstlosen Zustand nach Tschechien gefahren und ausgesetzt haben. Dort irrt er herum, verkatert, hilflos, ohne Geld und Papiere, mitten im Winter dem Erfrieren nahe. Gemeinsam mit der renommierten Filmemacherin Barbara Albert ("Nordrand") hat Glawogger das präzise Drehbuch verfasst und deren Einfluss ist deutlich spürbar. Die Figuren atmen förmlich, sind fest verankert in ihrem Milieu. Realität spiegelt sich wider, in den Dialogen und in den kalten, matschigen Bildern von Kameramann Martin Gschlacht. Alle sind irgendwie entwurzelt, treiben durch eine lieblose, verrohte Gesellschaft, in der sich (fast) jeder selbst der nächste ist. Das klingt bedrückend und ist es über weite Strecken auch. Aber es gibt durchaus Hoffnung, Akte der Freundschaft, befreiendes Lachen über fiese Scherze. Auch im Großstadtdschungel schlägt ein Herz. geh.
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