Mit seinem hochspannenden, exzellent ausgestatteten und hervorragend gespielten futuristischen Thriller eröffnet der belgische Regisseur Dany Deprez dem derzeit so populären Genre des Kinderfilms weitere, neue Dimensionen. Die originelle Story um einen Neunjährigen, der vermutet, seine Eltern könnten Aliens sein, ist intelligentes, unterhaltsames und berührendes Kino, das dank zu erwartender positiver Mundpropaganda bei Jungen wie Mädchen ab etwa acht bis zehn Jahren Begeisterung auslösen und auch Erwachsene verblüffen wird.
"Science Fiction" beginnt als klassische Außenseiter-Story: Andreas (David Geclowicz) ist neu in der Klasse. Für ihn nichts Besonders, ist er doch mit seinen Eltern schon mehrfach und in der ganzen Welt umgezogen. Die Hänseleien seiner Mitschüler erträgt er geduldig, wohl wissend, dass er für seine Probleme auch zu Hause kein offenes Ohr finden wird. Schließlich sind seine Eltern Rick (Koen De Bouw) und Rachel (Wendy Van Dijk) Elite-Wissenschaftler und Tag und Nacht nur mit ihrer Arbeit beschäftigt. Als Andreas' Klassenkameradin Vero (Fran Michiels), die im Nachbarhaus wohnt, den Verdacht äußert, Rick und Rachel könnten wegen ihrer abweisenden Art und der Geheimniskrämerei um ihren Beruf möglicherweise Außerirdische sein, ändert sich alles schlagartig. Andreas wird prompt von Vero in deren Clique aufgenommen und von nun an lassen sie nichts unversucht, die beiden Erwachsenen nach allen Regeln der Kunst auszuspionieren.
Deprez, der an der Kunsthochschule Gent Malerei und Filmanimation studierte, schafft es, mit minimalsten Mitteln größtmögliche Wirkung zu erzielen. Da wird ein Babyphone zum Überwachungsgerät umfunktioniert, ein mysteriöses Glas Tee - ähnlich beleuchtet wie einst Hitchcocks Milchglas in dem Cary-Grant/Ingrid-Bergman-Thriller "Berüchtigt" - wird zur tödlichen Bedrohung, und die Kamera zeigt die sonnenbebrillten Eltern von Andreas meist nur im Anschnitt, was ebenfalls einen beunruhigenden Effekt erzielt. Herausragend auch das Produktionsdesign, das aus dem Haus von Rick und Rachel ein kühl-steriles High-Tech-Center macht, die exquisite Kameraarbeit von Walther Vanden Ende ("Farinelli") sowie Loek Dikkers Filmmusik, die auch einem Film von David Lynch zur Ehre gereicht hätte. Dass junge wie alte Darsteller ihre Parts mit Bravour lösen und die belgisch-deutsch-niederländische Koproduktion auf technischer Ebene mit vergleichbaren US-Filmen locker mithalten kann, ja sie teilweise sogar übertrifft, sind zwei weitere Pluspunkte von "Science Fiction", der seinem einfachen, aber wirkungsvollen Titel alle Ehre macht. Darüber hinaus wartet der unter anderem mit dem Zuschauerpreis des Internationalen Kinderfilmfest Montreal ausgezeichnete Alien-Krimi mit einem höchst überraschenden Ende auf. Schön, dass der umtriebige (Kinderfilm-)Verleih nun nach der wunderbaren "Kletter-Ida" eine weitere Kino-Perle (nicht nur) für Kids auf die deutschen Leinwände bringt. lasso.
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