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Schwesterherz Filmkritik

"Schwesterherz" Filmkritik

Film
Schwesterherz
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2009-07-11 16:41:36
Bewertung
2/5 2 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Die souverän aufspielende Heike Makatsch treibt feministische Seelenerforschung.

Heike Makatsch und Regisseur Ed Herzog... da war doch was. Richtig, "Almost Heaven", der die ehemalige Viva-Moderatorin auf musikalischem Selbstfindungstrip zeigte und die Zuschauer in der Vorhölle schmoren ließ. Eine Referenz, der nur Besseres folgen konnte. Was nun mit "Schwesterherz" gelungen ist. Das Drehbuch hat Makatsch zusammen mit der renommierten FAS-Redakteurin und Autorin Johanna Adorján verfasst, weil die Geschichte, ihrer Meinung nach, "eine ehrliche Deskription der Problematik einer neuen Generation ist". Ein Film mit Anliegen - gefährlich. Und dann noch die Probleme: Die hätten 80 Prozent der Frauen gerne. Denn "Heldin" Anne, forsch und kämpferisch, mit manchmal etwas zuviel Tristesse von Makatsch gespielt, ist eine erfolgreiche Musikmanagerin. Ihre mondäne Wohnung kann sich sehen lassen, die Klamotten sind schick (und teuer) und das Handy glüht im Dauereinsatz. Alles im Lot? Nein. Mit dem Freund (Marc Hosemann aus "Reine Formsache"), mit dem klappt's nämlich nicht. Er arbeitet nicht, hängt rum, feiert, ist wortkarg und unbeständig. Und von dem Kerl ist Anne auch noch schwanger.

Ein Feminismus-Stück also, das ein neues, starkes Frauenbild zeichnet, die selbstbewusste Drei-Wetter-Taft-Lady in den Mittelpunkt stellt. Die Story einer Frau, die den drei großen Ks - Kirche, Küche, Kinder - erfolgreich trotzt? Auf der einen Seite ja. Aber der Erfolg - das wird hier klar - ist auch teuer erkauft. Dafür muss die Individualität geopfert, mit den Wölfen geheult werden. Schön, schlank, fröhlich sein, das gehört, will man in einer Männergesellschaft bestehen, zum Geschäft - das hat Heike Makatsch als Fernseh-Über-Girlie wohl jahrelang am eigenen Leib erfahren müssen. Davon befreit sie sich hier. Endgültig. Radikal. Findet als Anne quasi zu sich selbst. Dabei hilft ihr ihre kleine Filmschwester Marie - sympathisch und talentiert: Anna Maria Mühe -, die sie zu deren 18. Geburtstag ins spanische Benidorm einlädt. Doch auch dort will Anne das Sagen haben und schleppt gleich mal betrunken Maries Verehrer Max (Sebastian Urzendowsky aus "Die Fälscher") ab.

Regnerisch, menschenleer, unwirtlich präsentiert sich die spanische Sonnenküste. Das Licht schimmert fahl, die grau-blauen Bilder Sebastian Edschmids wirken verwaschen, ausgelaugt. Sie spiegeln das desolate Innenleben Annes wider. Im Büro scheint sie niemand zu vermissen. Leere statt Geschäftigkeit. Schmerzhaft wird sie sich ihrer selbst bewusst. Plötzlich ist sie auf sich alleine gestellt und muss sich mit Marie auseinandersetzen, die nicht daran denkt, sich einfach dem Willen des kürzlich noch verehrten großen Vorbilds zu beugen. So lernen die beiden Frauen verschiedener Generationen voneinander, dass das Leben Schmerzen bereitet, dass es Wichtigeres gibt als Geld und gutes Aussehen. Nichts Neues, weder das Thema, noch die dualistische Struktur der Darstellung. Dafür stimmen aber die kleinen Gesten, die Nuancen, die Zwischentöne und zeugen dabei von guter Beobachtung. Den Rest erledigen, schauspielerisch souverän, Makatsch und Mühe. geh.

Copyright © www.kino.de 2009.



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