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Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins Filmkritik

Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins Filmkritik

Film
Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2008-04-07 18:00:19
Bewertung
4/5 4 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Dem französischen Regisseur Patrice Leconte ("Der Mann der Friseuse") ist mit "Ridicule" ein Kostümfilm im besten Sinne des Wortes gelungen. Obwohl als Schauplatz der Hof König Ludwig XVI. dient, geht es Leconte weniger darum, ein historisch präzises Abbild jener Epoche zu vermitteln, sondern vielmehr die soziokulturellen Codes und politischen Mechanismen aufzuzeigen und zu dechiffrieren. Daß der Film dabei mit einer hervorragenden Besatzung aufwartet und stellenweise mit dem sprichwörtlichen "bel esprit" durchwirkt ist, macht ihn zum puren Vergnügen.

Versailles 1780. Ludwig XVI. hält sich neben seiner Entourage aus Lakaien, Mätressen und Schranzen einen exklusiven Zirkel von wortgewandten Feingeistern. Diese schöpfen ihre Daseinsberechtigung einzig und allein aus der Tatsache, ihren König bei Gelegenheit mit scharfzüngigen Bonmots oder einem philosophischen Apercu zu ergötzen. Was zählt, ist die Dekadenz des Denkens und das frivole Raffinement, die skrupellose Intrige. Für die vielen Miniatur-Machiavellis und Pseudo-Voltaires ist die Form alles und der Inhalt nichts. Viel schlimmer als in einem Duell den Kürzeren zu ziehen, ist es zum Beispiel bei einem Bankett einer verbalen Brüskierung nicht mit einer noch pointierteren Replik begegnen zu können - was im Extremfall bis zur gesellschaftlichen Ächtung führen kann. Alles, bloß nicht "lächerlich" zu erscheinen, ist die Devise. In dieses amoralische Klima platzt der junge Landedelmann Ponceludon de Malavoy (Charles Berling). Mit seiner unverstellten Art zu reden und seinem beherzten Auftreten sorgt er augenblicklich für starke Turbulenzen. Dabei ist er nicht gekommen, um seinerseits Karriere am Hof zu machen, sondern aus einem sozialen Anliegen heraus: Er will den König um finanzielle Unterstützung bitten, damit er in seiner Heimat endlich die pestverseuchten Sümpfe trockenlegen kann, um dadurch die hohe Sterblichkeitsrate der Bevölkerung einzudämmen. Mit Hilfe seines Mentors, dem Marquis de Bellegarde (Jean Rochefort), gelingt es Ponceludon, die Ränke und Ranküne am Hof schnell zu durchschauen. Durch sein eloquentes Auftreten und seinen rasiermesserscharfen Witz verschafft er sich schnell einen Platz in der höfischen Hierarchie. Es dauert nicht lange, da sehen eine gewisse Madame de Blayac (Fanny Ardant) und der Abbot de Vilecourt (Bernard Giraudeau) ihre Vormachtstellung bedroht. Teuflische Intrigen sind die Folge. Parallel zu diesen Geschehnissen zeigt der Film die Beziehung Ponceludons zu Bellegardes Tochter, der sehr eigenwilligen Mathilde (Judith Godreche), einer verblüffend modernen Frauen-Figur. Glücklicherweise verzichtet Leconte auf jede Gute-Welt/Böse-Welt-Schwarzweiß-Malerei sondern offenbart vielmehr die Dualität in den sich rasant entwickelnden Ereignissen. Sowohl Ponceludon als auch Mathilde gehen durch verschiedene Stadien der Charakter-Deformation. Spielerisch und mit leichter Hand inszeniert (Drehbuch: Remi Waterhouse), ist "Ridicule" ein frivol-sinnliches Sittengemälde, das allerdings weniger die Erotik, sondern die condition humaine jener Zeit in den Mittelpunkt stellt. Trotz opulenter Bilder und üppigem Dekor ist "Ridicule" mehr als nur ein schön abfotografiertes Period Piece - eher schon Champagner für die Sinne. Die Liebhaber geistreicher, schwelgerischer Filme kommen jedenfalls voll auf ihre Kosten. ull.

Copyright © www.kino.de 2008.



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