Nach den Interpretationen von Orson Welles (1952), Stuart Burge (1965) und Franco Zeffirelli (1986) nun also eine weitere Filmversion von William Shakespeares Tragödie "Othello". Im Unterschied zu Kenneth Branaghs angekündigtem, erstmals ungekürzten "Hamlet"-Projekt oder Richard Loncraines Zeit und Schauplatz verändernder "Richard III"-Verfilmung hat Oliver Parkers "Othello" lediglich in der Besetzung Neues anzubieten. Mit Laurence Fishburne (Ike Turner in "Tina - What's Love Got to do With it") ist erstmals im Film ein Afro-Amerikaner in der Titelrolle zu sehen als einer, " der nicht klug, doch zu sehr liebte." Trotz dieser längst überfälligen Besetzungskorrektur tut man sich anfangs schwer mit diesem Othello, weil Fishburne - im Unterschied zu Welles oder Laurence Olivier - filmisch stark mit der Gegenwart verbunden scheint. Diese Diskrepanz verflüchtigt sich aber nach der Hälfte des Films, weil Othello dank starker emotionaler Momente Fishburnes dessen Image vergessen läßt. Allerdings hat diese im Feld starke, aber sonst schwache, leicht zu manipulierende, von Eifersucht zerfressene Figur 393 Jahre nach ihrer Schöpfung doch an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Der smarte Intrigant Iago, der im Kriegshelden Zweifel an der Treue seiner geliebten Frau Desdemona schürt, hat die Jahrhunderte dagegen unbeschadet überstanden und wirkt in einer Zeit zunehmender Ichbezogenheit und Mobbing-Mentalität durchaus nicht antiquiert. Von seiner verschlagenen Gefährlichkeit allerdings hat er in Parkers Film einiges eingebüßt, da ihn Kenneth Branagh zwischen verspieltem Manipulator und manischem Kobold angelegt hat. Irenè Jacob dagegen ist eine werkgetreue Desdemona: eine gutherzige Unschuld, hier eher von natürlicher denn ätherischer Schönheit. Eine Frau, die als einzige ihre aufrichtige Liebe auch lebt. Wie Fishburne hat Jacob im letzten Drittel des Films ihre stärksten Momente. Ihr gehört auch die schönste Szene dieser recht theaterhaften "Othello"-Verfilmung, die sich im Unterschied zu Welles' visuell einfallsreicher Version mit einem risikolosen Schuß-Gegenschuß-Stil zufriedengibt. Jacobs Todesszene, in der sie noch im letzten Atemzug Othellos Kopf zärtlich streichelt, erhöht Shakespeares Vorgabe, zeigt, was möglich gewesen wäre in dieser Tragödie um Eifersucht und bedingungslose Liebe. So bleibt es bei einer in den Dialogen zwangsläufig gekürzten Verfilmung (bei Welles noch drastischer!), die es ob ihrer Konventionalität nicht leicht haben wird, Zuschauern den vertrauten Stoff erneut schmackhaft zu machen. Immerhin werden Kenneth Branaghs Name und die Besetzung von Laurence Fishburne für einiges Interesse sorgen können. kob.
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