In einem Leinwandjahr, das von Jim Carreys turboschnellen Slapstickkapriolen und Speed in jeder nur erdenklichen Form geprägt war, wartet Robert Bentons "Nobody's Fool" mit einer fast schon vergessen geglaubten Tugend auf: Ohne Schnörkel, aber stets am Puls von Menschen aus Fleisch und Blut erzählt der Regisseur eine richtige Geschichte aus einer tief verschneiten Kleinstadt im Staate New York. Sie bewegt, weil sie echtes Interesse an ihren schrullig-sympathischen Figuren zeigt, und Benton ohne oberflächliche Charakterisierungen auskommt. Da, wo andere Hollywood-Produktionen ihr inhaltliches Vakuum mit Lautstärke und reger Geschäftigkeit füllen, gönnt sich "Nobody's Fool" immer wieder stille Momente, um die zum Teil aberwitzigen Situationen auf den Zuschauer wirken zu lassen. Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse ist der grumpy old man Paul Newman in der Rolle des leicht erzürnbaren Gelegenheitsarbeiters Sully, der es trotz seiner 60 Jahre zu nichts im Leben gebracht hat. Sein ungezügeltes Temperament und sein Hang zur Verantwortungslosigkeit haben ihn von seiner Familie entfremdet. Also lebt das alte Rauhbein in Untermiete bei der reizenden Witwe Miss Beryl (Jessica Tandy in ihrer vorletzten Rolle) und erledigt seine wenigen Jobs mit Hilfe des Dorfidioten Rub. Sullys zumeist fruchtlose Grabenkämpfe mit dem jüngeren Baufirmen-Manager Carl (Bruce Willis mit seinem stärksten Leinwandauftritt des Jahres) um kleine Jobs, einen Schneeräumer und dessen unglückliche Ehefrau Toby (Melanie Griffith) werden unterbrochen von der Ankunft seines Sohnes (Dylan Walsh), der, von seiner Frau getrennt, einen Neuanfang in seinem Heimatdorf sucht. Für Sully bietet sich die Chance, seine versäumten Vaterplichten wenigstens als Großvater nachzuholen. Aber wer sechs Jahrzehnte mit dem eigenen Leben gehadert hat, kommt über Nacht nicht so leicht auf einen grünen Zweig. Die Rolle des alten Haudegens, der sich trotz seiner täglichen Scharmützel mit den eigenen Dämonen nicht als Verlierer abstempeln lassen will, ist dem brillanten Paul Newman auf den knorrigen Leib geschrieben. Aber selbst ohne seine grandiose Vorstellung steckt dieses leidenschaftlich beobachtete und erzählte Stück Americana voller großartig erfrischender Momente. Ein ähnliches Juwel wäre wohl herausgekommen, hätte Norman Rockwell seine Vision eines idyllischen Amerikas auf Zelluloid gebannt. Und auch wenn dieser Film nicht mit den Blockbustern mithalten können wird, so ist ihm doch hoch anzurechnen, daß einem trotz seiner Bilder von sibirischer Kälte unweigerlich warm ums Herz wird. ts.
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