Ausgezeichnet mit dem Regieförderpreis der HypoVereinsbank beim Münchner Filmfest, kommt dieser in seiner Frische und ungezwungenen Erzählungssorgfalt bemerkenswerte Debütfilm des jungen Benjamin Quabeck in die Kinos. Basierend auf seinem eigenen Roman erzählt er angenehm unprätentiös von den ersten Erfahrungen eines 19-Jährigen beim Erwachsenwerden und dürfte sein Publikum sicher nicht nur in dieser Altersgruppe finden, sondern generationsübergreifend bei allen Filmliebhaber-Jahrgängen.
Quabeck beendete sein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg mit "Nichts bereuen", in dem Zusammenhang ein schön programmatischer Titel. Erstaunlich stilsicher konzentriert er sich auf eine unaufdringliche, lakonische Erzählstruktur, wird nie geschwätzig, weder verbal noch inszenatorisch, und lässt dadurch seinen Figuren die Chance zu Spannungen und Geheimnis. Daniel (melancholisch: Daniel Brühl) hat das Abi hinter sich und setzt seine ganze Hoffnungen auf das wahre Leben und die große Liebe. Aber, wie so häufig, kommt es anders, als er denkt. Die schöne Luca (Jessica Schwarz), die er seit seinem "ersten Mal" vor vier Jahren heimlich liebt, bleibt romantisch unerreichbar für ihn. Der Zivi-Job, den ihm sein Vater ausgerechnet bei der Kirche besorgt hat, entpuppt sich als unerträglich und dient Daniel schließlich nur zu einer melodramatischen Selbstdarstellung in Sachen Liebeskummer in dem er sich ganz einfach selbst ans Kreuz hängt. Benjamin Quabeck gelingt es, auch nur den geringsten Hauch von Seifenopern-Pathos zu vermeiden, sondern wahrt fast so etwas wie erzählerisch-ironischen Abstand. Dadurch bekommt der Film eine gewisse Leichtigkeit des Seins und einen Realismus, der Neugier weckt und das Interesse an den Figuren und der Geschichte motiviert. Bei seinem neuen Zivi-Job in der Altenpflege lernt er die Diakonie-Schwester Anna (Marie-Lou Sellem) kennen und entdeckt Gefühle, die er bislang nur für Luca empfand. Er kommt völlig durcheinander, als die sich plötzlich wieder bei ihm meldet, um nach einem erneuten Treffen Unvereinbarkeit festzustellen. Die Zeit der Katastrophen scheint in seinem Leben angebrochen, als er mit seinem besten Freund in einen kapitalen Streit gerät, ein von ihm betreuter alter Herr stirbt und auch noch ein Tankstellenüberfall dazu kommt. Bevor er sich als Pechvogel selbst bejammert, begreift Daniel, dass Leben das ist, was dazwischen passiert, was man nicht planen und vorbereiten kann. Das Unberechenbare und Unvorhersehbare ist es, worauf es sich einzustellen lohnt. Da gibt es nichts zu bereuen, dafür aber alles zu gewinnen. Auch im Kino. fh.
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