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Mit Schirm, Charme und Melone Filmkritik

Mit Schirm, Charme und Melone Filmkritik

Film
Mit Schirm, Charme und Melone
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2008-04-05 16:45:23
Bewertung
2/5 2 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Es ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, den Charme einer kultigen Low-Budget-Fernsehserie der Swinging Sixties in einer aufwendigen Action-Extravaganz der Gegenwart zu rekreieren. Das Remake der beliebten britischen Agentenserie "Mit Schirm, Charme und Melone" hat es dementsprechend schwer, mit dem Esprit und Charme des Originals mitzuhalten, da die Serie - streng genommen eine preiswerte, wenn auch augenzwinkernde Verbeugung vor den James-Bond-Filmen - vor allem durch das coole Charisma von Diana Rigg aka Emma Peel und die gewitzten Wortplänkeleien mit ihrem Costar Patrick Macnee alias John Steed ihren Reiz erhielt. Für die Leinwandversion verzichtete Warner in den USA (wie auch in Deutschland - ein Novum für einen Film dieser Größe) auf langfristige Vorab-Pressevorführungen, wobei am Boxoffice denn auch nur enttäuschende 10,8 Mio. Dollar eingespielt wurden.

Die ehemals schelmische Spionin Emma Peel wird hier von Uma Thurman ("Gattaca") mit der ihr typischen unterkühlten Eleganz verkörpert. Auch diese Mod-Feministin - selbst ist die Frau! - übertrumpft wie seinerzeit die wunderbare Diana Rigg (oder auch ihre Vorgängerin Honor Blackman als Pussy Galore oder ihre Nachfolgerin Linda Thorson als Tara King) ihren von Ralph Fiennes dargestellten Partner Steed beim Fechtkampf und Schachspiel. Doch unglücklicherweise wirkt der in anderen Filmen so sinnliche "englische Patient" ob so viel roboterhaft ausgespielter Frauenpower mehr wie ein schmächtiger Schuljunge denn wie ein ehrenwerter Gentleman. Dieser Umstand ist wiederum der Chemie zwischen den Hauptdarstellern abträglich, so daß die mit einem Kuß (ein Novum zur Serie) besiegelte sexuelle Spannung bestenfalls forciert anmutet. Sichtlich mehr Vergnügen hat der einstige 007 Sean Connery in der Rolle des Bösewichts. Als Großindustrieller August De Wynter verfügt er über eine revolutionäre Technik, die es ihm ermöglicht, das Wetter nach Belieben zu kontrollieren. Und sofern die englische Regierung seinen immensen Forderungen nicht nachkommt, droht er sich mit katastrophalen Unwettern Gehör zu verschaffen. Eine witzige Idee, die Regisseur Jeremiah Chechik und seinem Effekteteam ausreichend Gelegenheit gibt, mit tosenden Spezialeffekten einen Twister durch die Themse zu schicken, im Big Ben den Blitz einschlagen zu lassen und einen Blizzard über den Trafalgar Square zu jagen. Man muß kein Connaisseur der Serie sein, um sich auszurechnen, daß die beiden Agenten dem Wetterbaron sogleich auf den Fersen sind und bei der Erfüllung ihres Auftrags so manche Gefahren zu überstehen haben. Daß die im bewußt hyperstilisierten Universum dieser knallbunten Seifenblase immer wieder ebenso absurd wie spannungsarm ausgefallen sind, ist neben den enttäuschenden Hauptdarstellern sicherlich das Hauptmanko dieser überlauten Reizüberflutung, die zwar mehr als 60 Mio. Dollar gekostet hat, es mit Credits aber doch nur auf eine Spielzeit von gerade einmal 87 Minuten bringt.

Gewiß, der nicht unbedingt als Visionär bekannte Chechik ("Benny and Joon", "Diabolisch") orientiert sich bei seiner cartoonhaften Inszenierung stark an der Originalserie, doch gerade das Bemühen um Anachronismus will im Jahr eins nach dem wesentlich gewitzteren (und vom deutschen Publikum verschmähten) "Austin Powers" nicht so recht den Funken überspringen lassen. Überaus gelungen hingegen das Retro-Styling dieses Films, der zwar über Schirm und Melone, aber nicht ausreichend Charme verfügt: Von rasanten klassischen Autos über imposante Plastiksets bis zu Ms. Peels Garderobe, bei der ihr Markenzeichen, der hautenge Lederanzug, nicht fehlen darf, reicht die Palette dieses feuchten Traums jedes Ausstatters. Doch die Mischung aus Bond-Ambiente ohne 007 und der artifiziellen Batman-Welt ohne Fledermaus, die abwechselnd mit lärmenden Actionmomenten und bleiernen Flirtepisoden aufwartet, wird durch die Aufmachung allein nicht gerettet, denn da, wo ein Herz sitzen sollte, findet man nur High Concept, das in diesem Sommer noch selten über Substanz triumphiert hat. ara.

Copyright © www.kino.de 2008.



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