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Mein Stern Filmkritik

Mein Stern Filmkritik

Film
Mein Stern
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-01-26 16:21:56
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Der gut einstündige Abschlußfilm von Valeska Grisebach, Absolventin der Wiener Filmakademie, kann bereits auf eine erfolgreiche Festivalkarriere zurückblicken: Nachdem er 2001 u.a. in Berlin, Locarno, Toronto, Chicago, London sowie Turin lief und mehrere Preise gewann, stehen für 2002 noch Istanbul, Rotterdam und Palm Springs auf dem Programm. Das ist um so überraschender, als es sich bei "Mein Stern" um eine vollkommen unspektakuläre Liebesgeschichte pubertierender Berliner Jugendlicher handelt, die von Laiendarstellern gespielt wird.

Im Mittelpunkt der trotz ihrer Zaghaftigkeit linear verlaufenden Geschichte steht die 15-jährige Nicole, Praktikantin in einer Bäckerei. Sie, die selber nicht viel redet, verliebt sich in den noch wortkargeren Christopher. Fortan schweigen sie nachts gemeinsam, wenn Nicoles alleinerziehende Mutter auf Schicht ist. Als Christopher eine Lehre als Gas- und Wasserinstallateur antritt und sich eine Wohnung nimmt, scheint das junge Glück perfekt zu sein. Doch eine frühere Knutscherei Nicoles mit einem anderen Jungen wird ihr zum Verhängnis: Ausgerechnet als Nicole Christopher ihrer Mutter vorstellt, petzt ihre kleine Schwester den "Ausrutscher" Nicoles. Christopher bricht mit Nicole, die trotzdem bei der Einweihungsfeier seiner Wohnung erscheint. Dort stehen sie einander wie Fremde gegenüber.

Valeska Grisebach setzt sich mit den Alltagsnöten einer Generation auseinander, die in letzter Zeit vor allem als Lachnummer in Schul- und sonstigen Pubertätskomödien im Mittelpunkt stand. Vom stereotypischen Pickelalarm und von Hormonausbrüchen findet sich in "Mein Stern" jedoch keine Spur. Nicole und Christopher schlafen zwar miteinander, es geschieht aber mit nicht viel mehr Leidenschaft als Fußballspielen oder belegte Brote essen. Die unprätentiösen Darbietungen von Nicole Gläser und Christopher Schöps - die Regisseurin behielt die wirklichen Namen ihrer "Schauspieler" bei - geben einen ernüchternden Eindruck in das Leben der Menschen im angeblich schönsten Alter. Zu klären bleibt, ob diese Art der Wiederentdeckung der "Wirklichkeit" die Kinosäle ebenso erfolgreich füllen kann wie die Programmhefte der Festivals. csz.

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