"Sie ist für diese Rolle geboren, sie hat zweimal Selbstmord versucht!" Aussagen wie diese hält man allgemein für Hollywood-typisch, womit sie nahtlos in den Dialog dieser Komödie passt, die sich allerdings weniger über die Traumfabrik als über deren Konsumenten lustig macht, die selbst einmal hinter der Kamera Illusionen kreieren wollen. Weil der Ton dabei eher heiter als bissig und nicht übermäßig Insider anspricht, empfiehlt sich das Regiedebüt von Steven Spielbergs aktuellem Lieblingsautor Jeff Nathanson ("Terminal", "Catch Me If You Can") als harmlos-amüsante Kinounterhaltung für all jene, die mit geschmacklosen und derben Genreprodukten wenig anfangen können.
Dass viele exzellente Darsteller offensichtlich genau in dieser Richtung empfinden, zeigt die Besetzung. Prominente Namen wie Joan Cusack, Ray Liotta oder Calista Flockhart (Chefneurotikerin Ally McBeal) geben sich mit kleinen Rollen zufrieden, überlassen das Feld Alec Baldwin als sympathisches Autoritätszentrum und Matthew Broderick als gewohnt gutmütig-unauffälliges Neutrum. Das Drehbuch, das sich von einem Zeitungsartikel lose inspirieren ließ, verbindet das Täuschungsthema von "Catch Me If You Can" mit dem "Schnappt Shorty"-Touch, dass nämlich ein völlig ahnungsloser Branchenfremder einen Film auf die Beine zu stellen versucht. Gemeint ist FBI-Agent Devine (Baldwin), der endlich bei den Großen spielen und nach Washington will. Das Ticket dazu soll sein nächster Fall sein. Um den Einfluss der Mafia auf die Gewerkschaften nachzuweisen, kurbelt Devine zum Schein einen Kinofilm an, den er ohne die Unions drehen will und dafür kleine Mafiosi bestechen muss. Nachdem er schon an der Bushaltestelle in Hollywood die ersten Pitchings hört, entscheidet er sich schließlich für das Drehbuch des Kinoangestellten Schats (Broderick), der nach langen vergeblichen Betteltouren durch die Studios jetzt sogar sein Skript selbst inszenieren darf. Schats' Schatz (eine herrlich hysterische Flockhart) muss die Hauptrolle freilich trotz der Drohung, demnächst in "Gangbangs" vor die Kamera zu treten, an den großen Star Emily French ziehen lassen, den Toni Colette mit amüsanter Theatralik verkörpert. Im moralischen Kern des Stoffs geht es darum, wie weit man im Spiel mit den Hoffnungen vieler Menschen gehen darf. Auf diese Frage findet der Film eine versöhnliche Antwort, belustigt sich über Eigenarten der Branche, die es ermöglichen, dass ein Projekt mit dem Titel "Arizona" an der Ostküste gedreht werden kann, und zeigt schließlich vor allem, wie der Traum vom Kino schließlich fast jeden infiziert. Das ist sympathisch, auch wenn man "The Last Shot" manchmal stärkere Munition gewünscht hätte. kob.
Copyright © www.kino.de 2007.