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Try a little tenderness: Nach Woody Allen zeigt sich heuer mit Ken Loach der nächste Regie-Großmeister in großzügiger und versöhnlicher Laune und serviert einen Crowdpleaser allererster Güte.
Die Härten des Alltags, das ohnmächtige Anrennen der kleinen Leute gegen die Tücken eines feindseligen Systems. Das sind die Themen, die man kennt von Ken Loach, dem nunmehr 73-jährigen ewigen Kämpfer des britischen Kinos, Themen, die er immer wieder aufs Neue variiert in seinen großartig beobachteten Arbeiten, die so nah dran sind am Leben, dass man sie förmlich schmecken kann. Aber wie passt Eric Cantona, der legendäre Flügelstürmer von Manchester United, in dieses Raster? Zumindest auf den ersten Blick nicht so recht. Bis man den Blick zurückschweifen lässt zum zweiten Film Loachs aus dem Jahr 1969: Da inszeniert er mitten in der Geschichte eines Arbeiterjungen, der Freundschaft mit einem Falken schließt, ein irres und irre komisches Fußballspiel, das erkennen lässt, dass Loach auch die Begeisterung für den Sport mit der Arbeiterklasse teilt. So lässt der Regisseur seinen Hausautor Paul Laverty dem charismatischen Fußballstar und Sympathieträger einen Film auf den Leib schreiben, der typisch Loach, aber ungewöhnlich warmherzig und optimistisch ist.
Dabei geht es bei "Looking for Eric" im Kern um eine besondere Form von Psychotherapie: Man soll sich seinen größten Ängste stellen, um sie überwinden zu können. In um Realismus bemühter Manier wird zunächst ein Mann am Rand des Nervenzusammenbruchs vorgestellt. Spätvierziger Eric, gespielt von Charakterschädel Steve Evets, ist ein Postbote, dessen Leben vor Jahren aus dem Ruder gelaufen ist, als er nach einer Panikattacke die Liebe seines Lebens mit ihrer frisch geborenen Tochter sitzen ließ. Seither müht er sich mehr schlecht als recht um seine beiden Stiefsöhne im Teenageralter, hat sie aber genauso wenig im Griff wie sich selbst. Das ändert sich, als ihm seine besorgten Kollegen vorschlagen, er solle sich vor seinem geistigen Auge eine berühmte Figur der Weltgeschichte als Paten vorstellen. Eric wählt Eric Cantona, der ihm schließlich tatsächlich erscheint und wichtige Lebenstipps bereit hält.
Loach wäre nicht Loach, wenn danach alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre. Tatsächlich droht der Film an einem entscheidenden Moment zu kippen, wie man es aus "Mein Name ist Joe" und "Sweet Sixteen" kennt. Aber Loach hat ein Einsehen und schenkt seinem wackeren Helden ein Happyend wie aus einem Hollywoodfilm, das er so hinreißend und gleichzeitig als Aufruf zur Solidarität gestaltet, dass man sich ihm gar nicht entziehen kann. Selbst das kann Loach noch toppen, wenn er im Abspann Cantonas berühmtes Seemöwen-Zitat aus einer Pressekonferenz aus dem Jahr 1995 zeigt. ts.
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