In seinem ersten, manchmal dokumentarisch anmutenden Langspielfilm erzählt der Senegalese Mansour Sora Wade eine archaische Geschichte von Liebe, Hass und Eifersucht, die in einem Mord endet. Dabei bedient er sich einer einfachen, aber stilsicheren Bildsprache. "Le Prix du Pardon" gedreht in Wolof, einer Nationalsprachen des Senegal, sollte über die üblichen Ethno-Kreise hinaus Interesse finden.
In die Handlung führt ein Griot, ein afrikanischer Geschichtenerzähler. Mansour Sora Wade, der in Paris Film studierte und seit über zwanzig Jahren TV-Dokumentationen und Kurzfilme realisierte, greift damit bei der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mbissane Ngom aus dem Senegal zurück auf die Tradition der mündlichen Überlieferung. Er setzt auf das Nebeneinander von pragmatischem Alltag und Glauben an das Übernatürliche - auch als Erinnerung an die eigene Kindheit. Die Kraft des Films liegt in fast magischen Bildkompositionen (Kameramann: Pierre-Olivier Larrieu), bewusster Farbsetzung in der Ausstattung und der Natürlichkeit der Darstellung, nicht zu verwechseln mit Naivität.
Am Anfang glaubt man sich in der Normandie, nicht in Afrika. Da wabern die Nebel, in dessen fahlem Licht Menschen wie graue Schatten erscheinen. Dieses Naturphänomen bringt das Leben zum Erliegen, die Fischer trauen sich nicht mehr aufs Meer hinaus, die Zukunft des Ortes ist bedroht. Auch der im Sterben liegende Wunderheiler kann das Unheil nicht beseitigen. Erst seinem Sohn gelingt es, die Sonne wieder über dem kleinen Flecken erstrahlen zu lassen, indem er den Baum der Ahnen fällt. Dadurch gewinnt er das Herz der Dorfschönen, doch sein bester Freund und Nebenbuhler ersticht ihn rasend vor Eifersucht und versenkt den Verletzten in die Fluten. Zwar heiratet die Schwangere den Mörder, aber ihre Rache und sein schlechtes Gewissen verfolgen ihn, auch die späte Vergebung lässt ihn nicht zur Ruhe kommen.
Die Tragödie mit humoristischen Tupfern inszeniert Wade weit weg von jeglicher Folklore, der Schwerpunkt liegt auf der mythischen und symbolischen Funktion. Das Menschenbild ist hier nicht statisch, sondern durch mögliche Veränderungen gezeichnet, die Verzeihung und Erlösung erlauben - eine tröstliche Botschaft, trotz traurigen Endes. Durch die gelungene Kombination von professionellen Hauptdarstellern und Laien wird zeitweise der Anschein einer stimmungsvollen Dokumentation über afrikanischen Alltag erweckt. mk.
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