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Kopfgeld - Einer muß bezahlen Filmkritik

"Kopfgeld - Einer muß bezahlen" Filmkritik

Film
Kopfgeld - Einer muß bezahlen
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2007-08-20 17:55:44
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Aus den lichten Höhen seines patriotisch angehauchten Erfolgs-Desasters und zweifachen Oscar-Gewinners "Apollo 13" wirft sich Ron Howard mit einem packenden Drama mitten in die dunkelsten Schatten des amerikanischen Traums: "Kopfgeld" erzählt düster vom Preis des Wohlstands, von der Ohnmacht der Autoritäten und von den Grenzen familiären Zusammenhalts.

Mit Mel Gibson, der hier erneut auf seine "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück"-Partnerin Rene Russo trifft, geht "Kopfgeld" mit einem publikumserprobten Actionhelden ins Kino-Rennen um das Weihnachtsgeld, und auch der Trailer zum Film betont Gibson und den Action-Aspekt. Tatsächlich ist "Ransom" jedoch zuallererst ein Drama, und ein ausgesprochen gutes noch dazu. Der Film beginnt mit einer Party, auf der Industrie-Tycoon Tom Mullen (Gibson) den Höhenflug seiner florierenden Airline feiert. In den süßen Wein des Erfolgs mischen sich freilich auch Wermutstropfen, denn Mullen bezahlte mit Bestechungsgeldern dafür, einen drohenden Gewerkschaftsstreit in seinem Unternehmen zu unterdrücken. Niemand ist unschuldig, deutet Regisseur Howard bereits mit diesen ersten Szenen an, und als der kleine Sohn Mullen entführt wird, verdichtet sich die Geschichte in einer fast greifbaren Atmosphäre der Angst, der Verzweiflung und des Hasses. Die Entführer - eine Gruppe Krimineller um den ebenso scharfsichtigen wie skrupellosen Polizisten Jimmy Shaker (Gary Sinise) - fordern zwei Millionen Dollar Lösegeld. Eine Summe, die Mullen sofort zu zahlen bereit ist. Natürlich schaltet der desperate Vater gleichzeitig auch das FBI ein, doch eine erste Geldübergabe scheitert blutig an der schießfreudigen Einsatztruppe. In dem folgenden Nervenkrieg kommt Mullen mehr und mehr zu der Überzeugung, daß sein Sohn längst nicht mehr lebt. Seine Verzweiflung schlägt schließlich in Haß um, was dazu führt, daß er im Fernsehen jene zwei Millionen Dollar als Kopfgeld aussetzt für denjenigen, der ihm den Entführer seines Sohnes "tot oder lebendig" bringt.

Howard beobachtet sehr genau und mit einer bemerkenswerten Sensibilität für die leiseren Zwischentöne, wie der moralisch in die Enge getriebene Vater seinem Drang nach Selbstjustiz nachgibt und dabei nicht nur seine Ehe aufs Spiel setzt. Gleichzeitig mit dem Fernsehaufruf verstärken sich die Spannungen auch bei den Kidnappern, und es ist vor allem der hochklassigen Riege von Nebendarstellern wie Lili Taylor und Liev Schreiber zu verdanken, daß der menschliche Konflikt selbst die Bad Guys nicht verschont.

Daß der Showdown Vater Mullen und Jimmy Shaker noch einmal zusammenführt, ist schließlich Höhepunkt und Antiklimax in einem: Natürlich hat der Zuschauer, nachdem die Identität Shakers als gefallener Polizist schon nach den ersten 20 Minuten feststand, keinerlei Zweifel, daß der "Böse" seine gerechte Strafe bekommen wird. Gleichzeitig aber löst die Konfrontation der Opfer mit dem Täter nach einem retardierenden Happy End noch einmal einen echten Schock aus. Und wie zur Bestätigung dessen, daß diese reiche, amerikanische Familie mehr Schaden nahm, als ihr von außen je hätte zugefügt werden können, zieht Ron Howard in den letzten Bildern noch einmal alle Farbe aus dem Film und läßt die Geschichte in einem grobkörnigen Grau verschwinden. Das ist für einen Filmemacher, der bislang mit seinen frohsinnigen Epen wie "In einem fernen Land" oder "Willow" eher für intellektuelle Marginalien sorgte, beachtlich. Und litte "Kopfgeld" nicht gegen Ende hin darunter, daß einige Szenen nicht befriedigend aufgelöst werden, es hätte ein nachgerade grandioser Start ins (deutsche) Kinojahr 1997 werden können. In jedem Fall wird der Film an den Kassen erwartungsgemäß zünden, und Gibson hechtet auch über genügend Kühlerhauben, um seinem Anspruch als Mann der Tat gerecht zu werden. evo.

Copyright © www.kino.de 2007.



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