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Klassenleben Filmkritik

Klassenleben Filmkritik

Film
Klassenleben
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-06-05 16:38:26
Bewertung
2/5 2 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

In seiner berührenden und amüsanten Dokumentation berichtet Produzent, Autor und Regisseur Hubertus Siegert von einem Schulalltag, der in Zeiten von Lehrmittelknappheit und nicht enden wollenden Pisa-Diskussionen wie eine Utopie erscheint. Er beweist, dass ein integrativer Unterricht von Schwerstbehinderten und Hochbegabten nicht im Nachteil für beide enden muss und liefert mit "Klassenleben" anspruchsvolles Entertainment jenseits jeglicher Strickpulli-Klischees.

Frontalunterricht - schon das Wort klingt nach zementierten Grenzen, an denen sich Erzfeinde gegenüber stehen. Hier der Pauker, dort die unverbesserlichen Bälger. Dass es auch anders, besser geht, dass man streng und doch nett, integrativ und doch zielstrebig unterrichten kann, beweist Hubertus Siegert in seinem herausragenden Dokumentarfilm. Bereits 1995 hatte er beim Casting seines Kurzfilms "The Orange Kiss" mit Lehrerin Gudrun Haase und ihren Schülern an der Berliner Fläming-Schule Bekanntschaft gemacht, 2003 beim Einschulungsgespräch für den eigenen Sohn die ursprüngliche Idee einer Dokumentation wieder aufgegriffen. Innerhalb von wenigen Monaten lief daraufhin eine nervenaufreibende Vorbereitungsphase samt Skriptarbeit ab und standen schließlich 220.000 Euro Budget bereit. Am 9. Februar 2004 begannen mit dem ersten Schultag des zweiten Halbjahres die Dreharbeiten in Frau Haases Klasse der Elfjährigen.

Bis Ende Juni beobachteten Siegert und sein Team in "Klassenleben" die Arbeit der passionierten Theaterpädagogin und ihrer zwei pädagogischen Mitarbeiterinnen - als roter Faden dient ein Stück über die Nazizeit, das in den fünf Monaten einstudiert wird -, vor allem aber das Zusammenwirken der Klasse. Anders als sein französischer Kollege Nicolas Philibert in dem ähnlich gelagerten "Sein und haben" konzentriert sich der Dokumentarfilmer auf die Kinder, deren Emotionen und Ängste, den pragmatischen Umgang der gesunden mit den behinderten Kindern, aber auch die Eloquenz und Introspektion aller im Hinblick auf eigene Stärken und Schwächen. Natürlich ist dabei nicht alles eitel Sonnenschein in dieser ganz besonderen Klasse, in diesem ganz besonderen Film. Da rebellieren die Kinder, da motzt Frau Haase, da wird angesichts der schwerstkranken Lena der Tod plötzlich ganz präsent. Und dennoch gleitet das Werk nie in Sentimentalität und Schönfärberei ab, rücken die Off-Kommentare manches wieder ins rechte Licht. Und wenn es dann in der Schlussszene die Zeugnisse gibt, ist man selbst beinahe so froh wie diese tollen Kids - über diese Leinwandarbeit, die patente Pädagogin und über eine Lehranstalt, die ihren Schützlingen die Möglichkeit gibt, das Beste aus sich und den Mitschülern herauszuholen. geh.

Copyright © www.kino.de 2006.



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