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Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte Filmkritik

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"Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" Filmkritik

Film
Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2009-11-12 17:52:37
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Michael Moore klärt wieder auf und prangert an - und das in seiner ihm typischen unterhaltsamen Weise. Nach der Waffenindustrie ("Bowling for Columbine"), der Politik gegen den Terror ("Fahrenheit 9/11") und dem Gesundheitssystem ("Sicko") geht der umtriebige Regisseur nun der Bankenkrise auf den Grund.

Die Fakten und Hintergründe, die Moore zur globalen Finanzkrise präsentiert, mögen nicht neu sein, auch neuerste Entwicklungen sind noch nicht verarbeitet. Aber der Filmemacher versteht es auf seine unnachahmliche Weise, das komplexe Thema zu einem für jedermann verständlichen, emotional ansprechenden und oft auch witzigen Einblick herunterzu brechen. Natürlich wird nur eine Meinung dazu transportiert und das vielleicht auch mit dem Holzhammer, eben "Capitalism according to Mr. Moore", aber das so witzig und unterhaltsam, wie es Agitprop selten ist. In seiner Art, zu klotzen statt zu kleckern, eröffnet Moore sein Pamphlet gegen den Kapitalismus mit Szenen aus dem Römischen Reich, das vom Untergang bedroht ist. Einen Lacher fordert er ein mit einem Video, in dem Katzen die Klospülung drücken, mit dem Kommentar, dass so etwas doch nicht etwa von den Menschen als Errungenschaft in Erinnerung bleiben sollte. Später wird das Wirtschaftssystem von den von ihm befragten Kirchenmännern als nichts weniger als eine Sünde bezeichnet. Und eine Abgeordnete des Senats erklärt die Art und Weise, wie es zur Vergabe von staatlichen Hilfen in Milliardenhöhe an die Investmenthäuser kam, die mit ihren Produkten letztendlich die Krise auslösten, als Coup d'Etat. Als besonders drastisches Beispiel für die Ungeheuerlichkeit des Systems führt Moore auf, dass selbst mit dem Tod von Mitarbeitern spekuliert würde. Spätestens dann hat Moore selbst die im Publikum auf seiner Seite, die anfangs noch zurückhaltend reagiert haben auf die von Moore interviewte Familie, die mit Tränen in den Augen berichtet, wie sie ihr Haus verloren hat.

Einen erschöpfenden Einblick darf man sich allerdings nicht erwarten. Als Moore etwa einen Finanzexperten um eine Erklärung für Derivate bittet, lässt er ihn des Effekts willen mehrfach stottern. Und auch eine Alternative zum verhassten Kapitalismus kann Moore nicht aufführen. Doch seine Weltverbesserer-Überzeugung, die er seit 20 Jahren mit seinen Filmen kultiviert, in denen er hartnäckig seinen Finger auf die Übel der Gesellschaft richtet, nimmt man ihm immer noch ab. Er glaubt daran, dass Menschen sich ändern können, eine Revolution selbst herbeiführen können. So zeigt er auch eine von Community und Medien unterstützte, erfolgreiche Hausbesetzung und eine Firma, in der jeder Mitarbeiter Anteile hat und das gleiche verdient. Mag die Machart seiner Filme mittlerweile bekannt sein und nicht mehr so originell wie in seinen Anfangszeiten wirken, erfrischenden Witz und Frechheit beweist er in diversen Szenen allemal, unbedingt vor allem in den letzten, in denen er die Gebäude der großen Investmenthäuser in Manhattan mit gelbem Crime-Scene-Band umwickelt. Und auch sein Gespür für die perfekte, natürlich auch bekannte Musikuntermalung und die passenden und starken Archivaufnahmen hat er sich erhalten. Lustige Werbeclips ebenso wie Roosevelts ernste Rede zu den nicht mehr umgesetzten zusätzlichen Rechten auf Bildung und einen adäquaten Arbeitsplatz finden ihren Platz. Und sein Debüt "Roger & Me" eine adäquate Fortsetzung. hai.

Copyright © www.kino.de 2009.



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