Opulentes Epos im Look von Tausend und einer Nacht von Ashutosh Gowariker (Buch und Regie) über einen populären Herrscher aus dem 16. Jahrhundert. Einer der größten Kinohits Indiens.
Der mit "Lagaan" vor einigen Jahren für einen Oscar nominierte Regisseur erzählt zwar die fürs Bollywood-Kino unvermeidliche Romanze, doch was optisch wie eine Geschichte aus tausend und einer Nacht wirkt, hat einen eminent politischen Hintergrund: Zu jener Zeit war das riesige indische Reich religiös gespalten. Die regierenden Moguln waren Moslems, die Hindus hatten kaum gesellschaftliche Rechte. Erst Jalaluddin Muhammad Akbar führte die beiden Religionen im Frieden zusammen, indem er eine Tochter des wichtigsten hinduistischen Führers heiratete.
Natürlich dürfte die bis heute ungebrochene Verehrung für Akbar nicht unmaßgeblich dazu beigetragen haben, dass "Jodhaa Akbar" einer der erfolgreichsten indischen Kinofilme überhaupt wurde. Außerdem wirken mit Hrithik Roshan (Akbar) und Aishwarya Rai (seine Frau Jodhaa) zwei der derzeit größten Stars mit. Es gibt allerdings gute Gründe, warum das epische Werk auch außerhalb Indiens ein Erfolg werden könnte: Abgesehen von einem Aufwand, der schon allein wegen der Massenszenen nach Hollywood-Maßstäben eigentlich unbezahlbar ist, hat Gowarikers Film neben einer opulenten Bildgestaltung (Kiiran Deohans) auch eine ebenso farbenfrohe wie prachtvolle Ausstattung zu bieten.
Natürlich leidet die Romanze unter den typischen Bollywood-Schwächen. Selbst wenn es eine gewisse Zeit braucht, ehe aus der arrangierten Heirat eine Liebe wird, die auch infame Intrigen übersteht: Die ausufernde Länge von über drei Stunden ist inhaltlich nicht zu rechtfertigen. Die kernigen Blicke Akbars werden allein von der um noch mehr Dramatik bemühten Sinfonik (A.R. Rahman) übertroffen. Das Schlachtengemälde zum Auftakt sind von einer Blutrünstigkeit, die zartbesaiteten Bollywood-Fans durchaus an die Nieren gehen könnte. Andererseits ist dieser brutale Prolog nötig, um den jungen Akbar, der selbst seine Erzfeinde verschont, als sanftmütigen und damit gänzlich untypischen Herrscher einzuführen. Außerdem ist die Liebesgeschichte auf diese Weise ein um so stärkerer Kontrapunkt, zumal Aishwarya Rai eine ausgesprochen schöne Heldin ist. Dass die Hindus Akbars religiöse Toleranz Jodhaas hübschem Dickschädel zu verdanken haben, dürfte hingegen eine hübsche Legende sein: Der schmucke Mogul hatte noch knapp zweihundert weitere Frauen. tpg.
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