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Der argentinische Spielfilmdebütant Adrián Biniez gehörte mit seiner minimalistisch erzählten, lakonischen Liebesgeschichte zu den großen Gewinnern der Berlinale 2009.
Das einzige Große an "Gigante", dem Erstling von Adrián Biniez, ist der Supermarkt, in dem der Film (auch) spielt, wurde auf der Berlinale gewitzelt. Aber bekanntlich lacht der, der zuletzt lacht, am besten, denn der aus Argentinien stammende Musiker und Regisseur, dessen mit deutschen Geldern mitfinanziertes Werk in Uruguay entstand, wurde sowohl mit einem Silbernen Bären (Großer Preis der Jury), dem Alfred-Bauer-Preis als auch als bestes Kinodebüt ausgezeichnet. Im Zentrum der Handlung steht der Gigant Jara (Horacio Camandule), der als Wachmann seinen Lebensunterhalt verdient. Ein rundes Gesicht mit Schnurrbart thront auf dem mächtigen Leib, den ein Motörhead-T-Shirt umspannt. Außerdem scheint er irgendwie etwas entrückt, was sich dadurch erklären lässt, dass er in Julia (Leonor Svarcas) verliebt ist. Bis über beide Ohren. Die Dame ist Putzfrau des Einkaufszentrums, wo er nachts arbeitet, entdeckt hat er sie auf einem der zahlreichen Überwachungsmonitore.
Eine Liebesgeschichte um ein seltsames Paar? Ja, auch. Wenn sich Jara denn nur trauen würde, seine Julia anzusprechen. Aber das tut er nicht. Lieber stellt er ihr heimlich in den öden Vorstadtstraßen Montevideos nach. Er verfolgt sie an den Strand, ins Internet-Café, zu einem Date in eine Kneipe und (natürlich) ins Kino - wo er Julia im falschen Saal vermutet, denn die Herzdame guckt nicht "Amor", sondern den Horrorfilm "Mutant". Ein geradezu prototypischer Held des (zeitgenössischen) lateinamerikanischen Kinos ist dieser Sicherheitsmann, bedächtig, wortkarg, in sich gekehrt. Ein langweiliges Leben führt er, in der Freizeit döst er regelmäßig vor dem Fernseher ein und in die Disco geht er nur, um dort als Türsteher ein paar Pesos dazuzuverdienen. Ruhig wie der Mann gibt sich der ganze Film. Still hält Arauco Hernández Holz seine Kamera, wenn er die Protagonisten einfängt. Ein schneller Schwenk scheint schon fast zu viel Bewegung, um die Ganze Lakonie der Handlung einzufangen.
Genau aus diesem Minimalismus bezieht die Arbeit ihre Stärke. Die kleinen, fein beobachteten Momente machen ihren Reiz aus. Die knappen Dialoge in der Kantine, das kurzes Knacken wenn Horacio seinem Kollegen den verspannten Nacken einrenkt oder dessen hämische Freude, nachdem er seinen Neffen beim PlayStation-Spielen geschlagen hat, der Toilettenpapierberg, auf den eine der Putzfrauen unerwartet stößt. Alltagsgeschichten, die schließlich darauf hinauslaufen, dass Jara für Julia sogar mal seine Bärenkräfte einsetzt. Als diese ihren Job verliert, ist er für sie da. Nur mit den Worten will es immer noch nicht klappen. Da ist es ganz gut, dass die junge Frau nun ihrerseits, ihren Verehrer auf einem Monitor entdeckt. Da zuckt man als Zuschauer regelrecht zusammen. Fühlt sich selbst als ertappter Voyeur. Schuldgefühle wallen in einem auf. Das schaffen nur gute Filme. geh.
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