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Iris Berben und Katharina Schüttler begegnen sich nach 30 Jahren in einer schonungslosen Konfrontation als Mutter und Tochter und leiden an den privaten Folgen einer radikalen politischen Vergangenheit.
Weit weg vom modischen und oft unreflektierten 68er-Bashing bewegt sich dieses familiäre Drama, Kino-Regiedebüt von Drehbuchautorin Susanne Schneider (u.a. "Solo für Klarinette"). Nach fast 30 Jahren scheint alles vergessen für Ex-Terroristin Judith Muller, die mit ihrem französischen Mann und den beiden halbwüchsigen Kindern in der Nähe von Colmar ein Weingut betreibt. Ihr Zeitungsfoto bei einer Demo gegen die Anpflanzung von Genmais löst Ereignisse aus, die ihre Gegenwart auf den Prüfstand stellen und sie mit ihrer militanten Vergangenheit konfrontieren. Die in Norddeutschland wohnende Alice erkennt auf dem Bild ihre Mutter, die sie als Zweijährige zur Adoption frei gegeben hat, um ihr ein Leben im Untergrund zu ersparen - ein emotionaler Einschnitt, den die junge Frau nie verwunden hat. Sie fährt nach Frankreich, um die Wahrheit zu erfahren, und darf nach einem fingierten Unfall (unter falschem Namen) auf dem Weingut übernachten. Die misstrauische Judith findet in der Tasche der Fremden alte Fahndungsplakate. Als Jutta Beermann wurde sie wegen Mordes bei einem Banküberfall gesucht. Die Situation eskaliert, Mutter und Tochter stehen sich wie Feindinnen gegenüber, die kämpferische Ältere verteidigt ihr Recht auf ein spätes bürgerliches Leben, die zornige Jüngere will genau dieses zerstören, will sich rächen für mangelnde Mutterliebe und die ihr angetane Ungerechtigkeit.
Das Schauspielerduell zwischen den beiden Frauen funktioniert. Vor allem Iris Berben geht an die Grenzen, wenn sie versucht, ihr Handeln zu rechtfertigen, wenn sie ihr Familienglück verteidigt und im Innern weiß, "es kommt der Tag" sich zu stellen, während Katharina Schüttler eine "tour de force" abliefert, wenn sie ungerührt ihren Kreuzzug durchzieht, anderen Leid zufügen möchte, weil sie gelitten hat - auch wenn am Ende ein Hauch von Verständnis und ungelenkem Gefühl zu spüren ist. Der Film stellt die Frage, wie weit ein Mensch für seine Ideale gehen darf, fragt nach der Dimension von Schuld und Vergebung, dem Preis der Freiheit und der Notwendigkeit von Verantwortung. "Es kommt der Tag" ist nicht nur eine brüchige politische Biografie, sondern auch eine Auseinandersetzung mit einem Stück deutscher Geschichte, mit dem Deutschen Herbst, der Generation der 68er, ein moralisches Dilemma. mk.
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