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EDtv Filmkritik

"EDtv" Filmkritik

Film
EDtv
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2007-09-24 18:22:00
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Kaum einen besseren könnte man sich vorstellen für eine bittersüße Satire über die Fußfallen der Berühmtheit im Medienzeitalter als Ron Howard, einstmals Kinderschauspieler ("Andy Griffith Show"), Jungstar ("Happy Days") und seit nun mehr knapp zwei Jahrzehnten Erfolgsregisseur ("Apollo 13", zuletzt "Kopfgeld"): Wer, wenn nicht er, weiß Bescheid über die Last des Verlusts jeglicher Privatsphäre? In der Ära von MTVs "The Real World" und der Nonstop-Internetshow "JennyCam"mag die bis in kleinste Nebenrollen mit Stars besetzte Geschichte eines Videothekenangestellten, der sich bereit erklärt, 24 Stunden am Tag von einer Kamera einfangen zu lassen, zunächst wie ein naher Verwandter von "Die Truman Show" wirken, tatsächlich aber ist "Ed TV" eher als kritisches Update von Howards' "Eine Wahnsinnsfamilie" zu verstehen, in dem der Filmemacher ebenfalls die Dynamik eines Familienverbands unter Strom sezierte.

Natürlich gibt es Parallelen zur "Truman Show" (wie auch zu "Mann beißt Hund", "Existenz" etc.): Auch Truman Burbank ist ein Gefangener der Medien, der auf Schritt und Tritt von Kameras verfolgt wird, um einen eigens für ihn eingerichteten Sender fortwährend mit Bildern zu versorgen. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied zu "Ed TV", Truman weiß nichts von den Kameras, die ihn umgeben: "Auf Sendung - unbewußt". Während Peter Weir diese Ausgangssituation nutzt, um ein poignantes Drama über den Freiheitswillen des Individuums zu entwickeln, ist sich der 31jährige Ed Pekurny in Ron Howards weniger klinischen, herzlicheren Film voll bewußt, worauf er sich einläßt, als er den Sender True TV in sein Haus einlädt.

Howard nutzt den doppelten Blick - direkt auf die jeweilige Situation und gefiltert durch die Übertragung auf den Bildschirm - um zum einen eine klassische Familiengeschichte auf sehr originelle Weise zu erzählen, zum anderen aber auch den Zuschauer seines eigenen Voyeurismus zu überführen. So wird man sehr früh Zeuge, wie Ed seinem Bruder Ray vor laufender Kamera die Freundin ausspannt - und die Einschaltquoten plötzlich rasend in die Höhe schnellen. Sehr gelungen und witzig verstehen es die Drehbuchautoren Lowell Ganz und Babaloo Mandel ("City Slickers"), die Kamera als stetige moralische Instanz zu etablieren, als Auge des Großen Bruders, unter dessen unbestechlichen Blick sich jede unbequeme Wahrheiten unweigerlich den Weg in die Freiheit bahnt: Keine Affäre, keine Eitelkeit, die verborgen bleibt und die Perkurnys auf einen nimmerendenden Prüfstand stellt. Und dann mischt sich auch noch die Öffentlichkeit ein: In Zeitungen werden Eds Entscheidungen diskutiert, publicitygeile Frauen drängen sich in Eds Leben und damit ins Fernsehen - bis der gutmütige Ed raus will, muß aber erkennen, daß er einen mephistophelischen Deal abgeschlossen hat.

Ganz wunderbar und wohl temperiert balanciert Ron Howard komische und dramatische Momente und bindet das Publikum nach etwas holpriger Exposition unmerklich in die Geschehnisse ein. Daß "Ed TV" als gutgeöltes Mainstream-Entertainment mit Tiefgang so wunderbar funktioniert, liegt vor allem an der Leistung von Matthew McConaughey, der erstmals einen Film mit seinem unkomplizierten Working-Class-Charme richtig trägt. Aber auch Woody Harrelson als Eds Bruder, Jenna Elfman als Eds kritische Freundin Shari oder Ellen DeGeneres als findige Produzentin, die hin- und hergerissen ist zwischen Erfolg und moralischen Bedenken, sind wunderbar. Große Momente haben überdies Martin Landau als Eds pragmatischer Ziehvater und Liz Hurley, deren Verführungsszene auf dem Küchentisch wohl der Höhepunkt des Films ist. "Ed TV" ist die Fortführung der typischen 80's-Familienkomödie mit den Mitteln der auslaufenden 90er - mit einer willkommenen Präferenz für die Belange des kleinen Mannes und unverhohlener (wenn auch schizophrener) Abscheu gegen die Auswüchse der kapitalistischen Gesellschaft: ein Feel-Good-Movie mit Biß und Leidenschaft. ts.

Copyright © www.kino.de 2007.



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