Als Autor, Drehbuchdoktor und Bestsellerschleifer bei Big-Budget-Projekten wie "Jurassic Park" oder "Spiel auf Zeit" ist David Koepp ein Veteran von großen Gesten, Überzeichnungen und Deutlichkeiten. Als Regisseur aber setzt er nach seinem, bei uns nur auf Video erschienenen Psychothriller "The Trigger Effect" in seiner zweiten Inszenierung erneut auf subtileren, unter die Haut kriechenden Horror. Womit diese Weltpremiere auf dem 13. Fantasy Filmfest zu den mit Spannung erwarteten und diese auch bietenden Knüllern zählen sollte.
Basis für Koepps sehr atmosphärischen Grusler sind Richard Mathesons gleichnamiger Roman, aber auch Elemente aus "The Shining", "Poltergeist" und diversen Büchern von Peter Straub. Der fahle, keine Ruhe findende Geist eines jungen Mädchens sorgt für ständig präsenten, aber dezenten Schrecken, den Koepp perfekt etabliert. Zuerst sind es nur Bilder eines Babyfons und eines Jungen, der mit seinem imaginären Freund zu sprechen scheint. Dann, als sich sein Vater (glaubhaft aufgewühlt und doch nicht unkomisch: Kevin Bacon) aus Spaß hypnotisieren läßt und durch eine leichtsinnig plazierte posthypnotische Nachricht Zugang zu anderen Dimensionen des Bewußtseins erhält, materialisiert sich auch für ihn das Bild der Toten, die gefunden werden muß, um befreit zu werden. Die Identität des spukenden Mädchens ist schnell geklärt, während das Geheimnis seines Grabes und Todes erst im nicht ganz überzeugenden, sich in den Ereignissen überschlagenden Finale gelüftet wird. Steht die erste Hälfte von "Stir of Echoes" im Zeichen der Bewußtseinsöffnung, des Schocks über das zweite Gesicht, dominiert die zweite Hälfte der scheinbare Bewußtseinsverlust, der nicht ohne Humor beobachtete Abstieg in den Wahn, als Bacon in Abwesenheit seiner entnervten Frau (Kathryn Erbe) auf der Suche nach der Leiche sein Haus zerlegt. Obwohl dieser Geist nicht poltert, ist seine eisige, unheimliche Präsenz durch die Inszenierung ständig spürbar, ob nur flüsternde Stimmen durch das Haus ziehen, oder er sich in Bad und Keller plötzlich materialisiert. Auch wenn das mit sparsam eingesetzten Spezialeffekten präsentierte Übernatürliche am Ende dem Gewöhnlichen, Konventionellen weicht, überzeugt dieser Gruselthriller, der zur ersten Welle des wiederentdeckten Gespenstergenres ("Das Geisterschloß") zählt, durch seine Akzentuierung subtilen Schreckens. Und da paßt es gut, daß dieses Highlight beim gleichnamigen Verleih seine deutsche Heimat gefunden hat. kob.
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