Fünf Jahre nach "Schlaflos in Seattle" schickt Nora Ephron Tom Hanks und Meg Ryan erneut auf einen ebenso humorvollen wie sentimentalen Hindernisparcours, an dessen Ziel nach allerhand Umwegen die große Liebe steht. Basierend auf dem Theaterstück "Parfumerie" und Ernst Lubitschs Verfilmung "Rendezvous nach Ladenschluß" mit James Stewart, dürfen sich die beiden Publikumslieblinge diesmal schon früh kennenlernen - allerdings als Gegenspieler, die nicht ahnen, daß sie sich bereits seit längerem gegenseitig anonym verliebte Briefe im Internet schicken. Ein höchst lecker geschnürtes Weihnachtspäckchen, das in Deutschland auch lange nach den Feiertagen gerne von einem großen Publikum ausgepackt werden dürfte.
Nicht von ungefähr beginnt "E-Mail für Dich" zur Titelsequenz am Empire State Building mit einem virtuellen Flug über die Dächer von Manhattan. An eben jenem Wolkenkratzer standen sich Tom Hanks und Meg Ryan in "Schlaflos in Seattle" nach langem Telefonwerben erstmals gegenüber und durften einander in die Arme schließen. Das Schlußbild von Nora Ephrons neuem Romantical - diesmal allerdings im Central Park - ist nahezu identisch. Und auch sonst ist diese zuckersüße Schwärmerei mit all den Zutaten gebacken, die bereits vor fünf Jahren ein Millionenpublikum zu Tränen rührte. So ist es denn auch keine Frage, daß sich die beiden am Ende aller Widrigkeiten zum Trotz kriegen. Es ist das Wie, das die Spannung aufrechterhält: Erneut wirft Ephron den Liebenden beim funkensprühenden Kampf der Geschlechter allerhand Knüppel zwischen die Beine und hat Spaß daran zuzusehen, wie sie sich von ihnen befreien.
Leicht wird es Kathleen Kelly und Joe Fox jedenfalls nicht gemacht: Sie ist eine bezaubernde Kinderbuchladenbesitzerin, die ihre Existenz unvermittelt von der Gigantofiliale eines Buchladenkonzerns bedroht sieht, der auf der anderen Straßenseite seine Pforten öffnet. Er ist ein lakonischer Magnatensohn, der die Eröffnung besagten Literatur-Supermarktes überwacht. Als sich die beiden erstmals treffen (nachdem sie einander in den Straßen New Yorks stets haarscharf verfehlten), ist es Sympathie auf den ersten Blick, doch als Kathleen in Joe ihren größten Widersacher erkennt, sind die Screwball-Gefechte vorprogrammiert. Beide wissen nicht, daß sie sich längst ineinander verliebt haben - via eines Chatrooms im Internet, in dem sie einander bei ihren Scharmützeln im wahren Leben anonym per E-Mail mit guten Ratschlägen zur Seite stehen.
Daß die bekanntermaßen blendende Chemie zwischen den Stars mit zunehmender Dauer des Films den recht brisanten Kapitalismus-Konflikt zwischen Konzern und Tante-Emma-Laden vollends verdrängt (der Film läßt keinen Zweifel daran, auf welcher Seite die Filmemacher stehen - das Kapital gewinnt trotzdem), macht nichts aus, wenn man zwei Sympathieträger dabei beobachten darf, wie sie sich so liebenswert wie nur möglich geben. Blendend nutzt Nora Ephron die komischen Möglichkeiten der ausgedehnten E-Mail-Sequenzen, die mit expressivem Mienenspiel und humorigen Off-Kommentaren zudem einen wunderbaren Blick ins Innenleben der Protagonisten ermöglichen. Schlechter als Apple Computer schneidet die exquisite Nebendarstellerriege (immerhin mit Steve Zahn, Parker Posey, Greg Kinnear und Dave Chappelle) ab, auf die nur wenige der bisweilen herrlichen Ephron-Bonmots entfallen. Dem Publikum kann's egal sein: "E-Mail für Dich" ist Feel-Good-Kino, wie es nirgends besser gemacht wird als in Hollywood, und spendet die nötige Wärme, um den kalten Februar zu überstehen. ts.
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