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District 9 Filmkritik

In welchem Kino wird dieser Film gespielt?

"District 9" Filmkritik

Film
District 9
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2009-11-12 17:52:31
Bewertung
5/5 5 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Mit Peter Jackson als Produzent im Rücken realisierte der 29-jährige südafrikanische Effektespezialist Neill Blomkamp ein effektives Regiedebüt, das in Fankreisen schon jetzt als moderner Klassiker gefeiert wird.

"District 9" ist der persönliche Triumph, der auf eine schmerzhafte Niederlage folgt: Neill Blomkamp war von Peter Jackson eigentlich als Regisseur der aufwändigen Videogame-Verfilmung "Halo" ausgewählt worden. Als das Projekt von Universal nach halbjähriger Entwicklung abgeblasen wurde, ließ Jackson seinen Protegé nicht fallen: Er sicherte ihm 30 Mio. Dollar Budget zu, um aus der Prämisse seines sechsminütigen Kurzfilms "Alive in Joburg" von 2005 einen Science-Fiction-Stoff in Spielfilmlänge zu machen, in dem es um das nicht ganz so harmonische Zusammenleben von Menschen und Außerirdischen im Johannesburg der Gegenwart geht. Die Mischung aus Fantasy und Realität, um eine als alltäglich empfundene Unmöglichkeit in einem wiedererkennbaren, nachvollziehbaren Hier und Jetzt, ist denn auch der Clou, das gewisse Etwas, das District 9 bereits konzeptionell aus dem Gros vergleichbarer Genreprodukte, ganz besonders J.J. Abrams ähnlich gestricktem, aber längst nicht so überzeugenden "Cloverfield", herausragen lässt.

Blomkamps Film ist durchdachter, runder, mit mehr Selbstbewusstsein und klar definierter Vision realisiert. Er nutzt seinen Lo-Fi-Look gezielt zu seinem Nutzen, denn die Effekte sind in die aus der Hüfte geschossenen Action so brillant und souverän integriert, dass man sie als solche gar nicht wahrnimmt. Tatsächlich wäre es gar nicht nötig gewesen, die erste Hälfte als Pseudodokumentation im Stil von "Mann beißt Hund" oder "Blair Witch Project" zu inszenieren, um das Publikum von der Unmittelbarkeit des Gezeigten zu überzeugen. Der zweite Teil, mehr im Stil eines "RoboCop" oder "Starship Troopers" gedreht, entfaltet eine deutlich höhere Sogwirkung und ist stellenweise einfach richtig gut. Da hat man dann auch längst die etwas mühsame Exposition hinter sich gelassen, in der Blomkamp sein Filmuniversum erklärt.

28 Jahre sind vergangen, seitdem ein gewaltiges Raumschiff über Johannesburg strandete, das seither wie ein kleiner Bruder der Zerstörungsmaschinen aus Independence Day im Himmel hängt. Seine Insassen, ein insektenartiges Volk ohne erkennbare Anführer oder Hierarchie, werden in einem Township - dem District 9 - angesiedelt, wo sie sich rasend vermehren, ohne jemals soziale Strukturen zu entwickeln. Den Menschen sind die Fremden ein Dorn im Auge, gewaltsame Übergriffe sind an der Tagesordnung, bis die "Prawns" (Garnelen), wie die Außerirdischen abschätzig getauft wurden, in ein neues Lager weit außerhalb Johannesburgs gebracht werden sollen. Die eigentliche Handlung setzt mit dieser gewaltsamen Deportation ein, mit der der unscheinbare Regierungsagent Wikus van der Merwe beauftragt wurde, ein kleines Licht im Gefüge der undurchsichtigen Multi-National United, der seine Aufgabe nicht hinterfragt und so ernst nimmt wie er seine Frau und Kinder liebt. Als er mit einer ungewöhnlichen Substanz in Verbindung kommt, setzt ein Mutationsprozess ein, der sich am ehesten mit der Verwandlung von Jeff Goldblum in "Die Fliege" vergleichen lässt, ohne allerdings David Cronenbergs Aids-Metapher zu vertiefen: Blomkamp spielt eher mit grundlegenden Gedanken von Anderssein und Menschlichkeit. Van der Mewe wird fortan von den eigenen Leuten und einer Gruppe nigerianischer Gangster gejagt und findet Zuflucht ausgerechnet im District 9.

Was gerade noch als menschliches Drama ebenso gut funktionierte wie als - bisweilen heikle - soziopolitische Satire im Stil der Hollywood-Filme Paul Verhoevens, wandelt sich nun in einen kompromisslosen Überlebenskampf, der genug Überraschungen bereit hält, um sich seine Originalität bis zum letzten Dreh bereit zu halten, obwohl offensichtlich wird, dass Blomkamps Mühen um Authentizität sich auf ein Weltverständnis beruft, das weniger mit der Realität als mit seinen einschneidenden Filmerlebnissen seiner Jugend zu tun hat. Dennoch ist "District 9" ein Erlebnis, zumal Hauptdarsteller Sharlto Copley, ein enger Freund Blomkamps ohne vorherige Darstellererfahrung, als kafkaesker Sympathieträger in den Mühlen höherer Gewalten - ähnlich wie Jonathan Pryces Sam Lowry in Brazil, aber mit dem Aussehen des jungen Robert De Niro - ausgezeichnet ist. Weil ein durchschlagender Welterfolg zu erwarten ist, darf man sich jetzt schon auf Blomkamps angekündigte Fortsetzung (und ein mögliches Prequel) freuen: Aliens sind die besseren Menschen. Und Filmhelden. ts.

Copyright © www.kino.de 2009.



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