Hinter einem bizarren Filmtitel verbirgt sich eine sehr atmosphärische, introvertierte Variation der unsterblichen Vampirthematik aus den Händen des Hongkong-Veteranen Po-Chih-Leong, der sieben Jahre nach seinem Triadenepos "Shanghai 1920" mit einem in jeder Hinsicht kontrastierenden Projekt in die deutschen Kinos kommt. Die Geschichte eines urbanen Vampirs auf der Suche nach der bedingungslosen, reinen Liebe stellt Affekt über Effekt und gehört zu den verhalteneren Genrebeiträgen, die ihre Heimat nicht in Multiplexen, sondern Programmkunsthäusern haben.
Der kommerzielle Freitod eines intellektuell verschraubten Vampirfilms ist trotz des poetisch-reflexiven Grundtons Po-Chih Leongs nicht gegeben. Denn sein 15. Spielfilm empfiehlt sich als zugängliches Unterhaltungsangebot mit einem klar definierten Handlungsfaden, ist nachdenklich und zurückgenommen, aber auch geistreich und humorvoll, frei vom romantischen Pathos, wie es Coppola noch in "Dracula" zelebrierte, und von zwei Hauptdarstellern gesegnet, die in ihren Gesichtern Schönheit und Rätselhaftigkeit vereinen. Der vielversprechende Jude Law, nach "Oscar Wilde" und "Gattaca" fast schon ein Veteran des Verfalls, ist perfekt besetzt als mysteriöser Einzelgänger Grlscz, der mit der Perfektion seines Äußeren und der Undurchschaubarkeit seines Inneren Frauen verführt, in ihre Biographien und Seelen dringt, um schließlich mit ihrem Blut ihre Gefühle aufzunehmen. Von seinen Opfern bleibt ihm nur eine detaillierte Akte und die in einem Kristall fixierte Essenz ihrer Emotionen. Weil aber die Transfusionen durch die Seelen der Frauen negativ verunreinigt waren, seinen Verfall beschleunigten, sucht Grlscz nach der unbelastet positiven Emotion, die er schließlich in Anne (Hal-Hartley-Star Elina Löwensohn, in Michael Almereydas "Nadia" noch selbst ein Großstadtvampir) zu finden glaubt. Parallel zu dieser, zwischen den Polen Vertrauen, Triebzwang und Verrat Spannung zeugender Beziehung entwickelt der Film zwischen dem Fremden und einem Kripomann (Timothy Spall) eine weitere, die unbeschwerter, freundschaftlicher angelegt, Sympathie für den Vampir fördern soll. Nach einem inszenatorisch und atmosphärisch ruhigem Film, der im Effektverzicht wie eine Atempause zum Spektakel "Blade" wirkt, lassen sich Regie und Drehbuch auf ein theatralisches Finale ein, das als Schlußpunkt zum Erlösungsmotiv nicht überzeugt, aber den positiven Gesamteindruck dieser elegischen Isolationsstudie nicht schmälern kann. kob.
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