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Märchen, Drama oder Coming-of-Age-Geschichte. Jukka-Pekka Valkeapääs Spielfilmdebüt lässt viele Deutungen zu und besticht durch formalen Minimalismus.
Ein etwa zehnjähriger Junge bewirtschaftet zusammen mit seiner Mutter einen kleinen verfallenen Bauernhof tief in den finnischen Wäldern. Arbeit bestimmt den Tagesablauf: Wasser wird in Eimern aus dem Brunnen hochgezogen, das Pferd versorgt, Hühnereier werden eingesammelt, Kartoffeln geschält. Wortlos sitzen die beiden am Essenstisch, kommunizieren dennoch - es ginge auch nicht anders, denn der Bub ist stumm. Ob er nicht reden kann oder nur nicht will, wird nie thematisiert. Vielleicht hat ihm ein Trauma die Stimme verschlagen, eine Tat, die der gewalttätige Vater begangen hat, der weit entfernt im Gefängnis sitzt und den der Bub regelmäßig besucht und mit Tabak versorgt.
Minimalismus in Wort und Bild ist beim Spielfilmdebüt des Finnen Jukka-Pekka Valkeapää angesagt, der 2003 mit seinem prämierten Kurzfilm "The Fall" international auf sich aufmerksam machte. Mit wenigen sorgfältig komponierten Bildern etabliert der Regisseur seine Geschichte, bildet mit Hilfe des feinfühligen Kameramannes Tuomo Hutri die triste, grau in graue Welt ab, in der sie spielt. Fahl sind die Farben, stets ist der Blick durch Bäume verstellt. Immer wieder schüttet es in Strömen. Manchmal bedeckt eine Schneedecke die Landschaft. Die Feuchtigkeit ist spürbar, Schlamm macht das Gehen schwer. Besonders für die Frau mit ihrem steifen Bein - innere und äußere Verletzungen, wohin man schaut.
Nach einer stummen ersten halben Stunde taucht "Der Besucher" auf. Aus dem Regen kommt er, gebückt, im schwarzen Mantel, ein Hut tief im Gesicht. Er hat ein Loch im Leib, aus dem Maden kriechen. Die Frau mit den engelsgleichen silbrigen Haaren pflegt ihn gesund und kurz darauf liegt der Fremde bei ihr im Bett. Ein Grammophon kramt er hervor, legt eine verkratzte Platte auf, tanzt mit der Mutter über den Rasen. Das Kind (eindringlich: Vitali Bobrov) mit den großen Augen verliert den Boden unter den Füßen.
Ein zeitloses Märchen erzählt Valkeapää, vom Bösen, das in eine heile Welt eindringt, für Chaos sorgt und wieder verschwindet. Der Junge ist am Ende kein Junge mehr, das Pferd tot und die Mutter wieder einsam. Und vor allem nichts ist jetzt mehr wie es einst war. Ein ungewöhnlich eindringlicher Film, irritierend, fremd, reizvoll und aufwühlend. geh.
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