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Der Barbier von Sibirien Filmkritik

Der Barbier von Sibirien Filmkritik

Film
Der Barbier von Sibirien
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2007-12-18 17:56:35
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Ein opulentes und mit über drei Stunden schwelgerisch ausführliches russisches Historien-Fresko ist dieser bisher ambitionierteste Film des Moskauer Regisseurs und Oscar-Preisträgers (1995 für "Die Sonne , die uns täuscht") Nikita Michalkow. Der Eröffnungsfilm des 52. Filmfestivals in Cannes ist europäisch international besetzt und produziert, ein russisch-französisch-italienisch-tschechisches Komödien-Melodram über die Liebesromanze einer lebenslustigen Amerikanerin und eines musikliebenden Zaren-Kadetten. Das 40-Millionen-Dollar-Spektakel dürfte sein Publikum vor allem unter den Nostalgikern und Fans von Glanz und Gloria finden.

Ein wenig wehmütig denkt man an David Lean und "Doktor Schiwago" und Boris Pasternak, wenn einen die prächitgen Scope-Bilder von Kameramann Pavel Lebeshev emotional in die schönste Kinostimmung versetzen, aber der Erzählfluß häufig ins Stocken gerät und die Personen nicht so richtig zum Mitfühlen lebendig werden. Nikita Michalkow schöpft dennoch aus dem Vollen, ist nicht nur Regisseur, sondern auch Coautor, Coproduzent und Darsteller - in der Rolle des Zaren Alexander III. Die Momente skurriler kreativer Wahnsinnigkeiten und grotesken Witzes, in seinen früheren Filmen "Oblomow", "Schwarze Augen", "Urga" stilprägend, finden sich in jenem Teil der Geschichte, die dem Film den Titel gab. Ein exzentrischer Erfinder, völlig verrückt gespielt von Richard Harris, konstruiert eine riesige Maschine zum Abholzen der Wälder, die aussieht wie eine Mischung aus Märklin-Baukasten und Tinguely und von ihrem Konstrukteur "Barbier von Sibirien" genannt wird.

Zu diesem bizarren Typen reist die Amerikanerin Jane (Julia Ormond hat im ersten Drittel des Films vor allem viel zu lachen, was sie sehr hübsch macht), um in seinem Auftrag den zuständigen General (wunderbar vital und trinkfest: Alexej Petrenko) und alle anderen entscheidenden Autoritäten effektvoll zu becircen, damit McCracken seine wilde Baum-Rasier-Maschine verkaufen kann. Es ist das Jahr 1885 im vorrevolutionären Rußland, und Jane lernt im Zug in einer Gruppe junger Militärkadetten den pfiffigen, elegant höflichen Andrej Tolstoi (romantisch temperamentvoll: Oleg Menschikow), kennen, der praktischerweise englisch spricht und mit dem Schriftsteller nicht verwandt ist. Natürlich verlieben sich beide ineinander, haben Konflikte, soziale Hürden, Mißverständnisse und alle möglichen andere Dinge des Lebens zu überwinden, bevor das geheimnisvolle Ende, durch die Rahmenhandlung einer an den Kadetten-Sohn (!) in Westpoint anno 1905 schreibende Mutter leitmotivisch angedeutet, Klarheit verschafft.

Eine der stärksten Szenen hat Nikita Michalkow, der ganz offensichtlich zu den Landsleuten unter seinen Darstellern eine direktere Inszenierungs-Beziehung gefunden hat als zu Ormond und Harris, mit und für sich selbst beeindruckend realisiert. Mit Pomp und Prunk nimmt er es als Zar auf einem prächtigen Schimmel reitend die Parade seiner frisch nach Beendigung der Ausbildung an der Militärakademie sich formierenden Kadetten ab. So grandios diese Sequenz ist, so unweigerlich decouvriert sie die fragwürdige und ziemlich beunruhigende Ideologie einer imperialistischen Staatsform, der Michalkows ganze Sympathie gehört. Und so gerät ihm "Der Barbier von Sibirien" zur reaktionären Glorifizierung diktatorischer Machtstrukturen und megalomanen Selbststabilisierung. fh.

Copyright © www.kino.de 2007.



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