Der Katastrophenfilm hat Hochkonjunktur ,und noch ist das Publikum des computergrafisch generierten Thrills nicht müde. Gleich zwei Studios hatten sich einen Vulkan als Hauptattraktion auserkoren, wobei Universal das Duell mit Fox' "Volcano" (in den USA auf Mai verschoben) für sich entschied. Mit 18,5 Mio. Dollar konnte die lava- und aschesprühende Leinwanderuption des effektreichen Desasterspektakels von Roger Donaldson ("Species") sogar den besten US-Februarstart aller Zeiten verbuchen.
Die Opening-Sequenz geizt in bester "Twister"-Tradition nicht mit donnernden Destruktionsreizen und gibt gleichzeitig Einblick in ein persönlichkeitsdefinierendes Trauma des Protagonisten: Der Geologe Harry Dalton (Pierce Brosnan hat von Timothy Dalton anscheinend nicht nur das OO7-Zepter übernommen) erlebt in Kolumbien ein Pompeji-gleiches Pandemonium, als bei einem Vulkanausbruch die feurigen Fetzen fliegen und seine Verlobte von einem glühenden Lavabrocken erschlagen wird. Vier Jahre später begibt er sich in das verschlafene Kleinstadt-Idyll von Dante's Peak im Nordwesten der USA, um dort etwaige Aktivitäten des hiesigen Kraters zu bewerten, und lernt dort die patente Bürgermeisterin Rachel (Linda Hamilton) kennen und lieben. Obwohl sich die Anzeichen drohenden Unheils häufen - verkümmerte Vegetation, seismografische Auspendelungen und ein zur Unkenntlichkeit in der örtlichen heißen Quelle "gekochtes" Liebespärchen - sträubt sich der Stadtrat wie weiland in "Der weiße Hai", die Bevölkerung zu warnen, da die finanzielle Zukunft des Städtchens auf dem Spiel steht.
Als malerische Kulisse des 115-Mio.-Dollar-Projekts fungiert Wallace, Idaho, in dem bereits "Heaven's Gate" gedreht wurde. Geschickt lassen die Filmemacher die atemberaubende Schönheit der Naturaufnahmen in krassem Kontrast zum sich entfaltenden Inferno stehen. Bis die urgewaltige Zerstörungslawine denn losrollt, vergeht ziemlich genau eine Stunde. Die Wartezeit auf "Gottes große Schau" zahlt sich aus, denn die nachfolgenden Katastrophen entfalten sich in einer pessimistischen Palette im Dominoprinzip: Die Vulkaneruption läßt die Erde erschüttern und die hübschen Bauten des Ortes wie Kartenhäuser zusammenstürzen, Flammen lodern, eine Highwaybrücke sackt in sich zusammen, in der Massenpanik wird massenhaft Autoblech verbogen, ein Staudamm bricht und verursacht eine Flutwelle, ein tödlicher Ascheregen setzt ein, glühendheiße Gesteinsbrocken prasseln wie Bomben hernieder und ein alles vernichtender Lavateppich walzt sich Richtung Tal. Um die Spannung noch zusätzlich anzuheizen, konstruierte Drehbuchautorin Leslie Bohem ("Daylight") noch zusätzliche auswegslose Situationen. Statt sich vom brodelnden Gefahrenherd zu entfernen, müssen sich die Protagonisten heldenhaft in die entgegengesetzte Richtung begeben, um eine sture Großmutter vor vorzeitiger Einäscherung zu bewahren. Bei der anschließenden Bootsfahrt bewirkt ihre selbstlose Aufopferung das Entrinnen aus im wahrsten Sinne des Wortes ätzender Gefahr. Im Minenschacht kommt es zur letzten Anstrengung im nervenzerfetzenden Überlebenskampf...
Auch wenn die Dialoge konstruiert wirken und die Skizzierung der Figuren eher oberflächlich ausfällt, können die mitreißend realistisch realisierten Effekte etwaige Schwächen zu Genüge wieder wettmachen. Zudem bilden Brosnan und Hamilton sympathische Identifikationsfiguren, denen der Vulkan bei der Verwirklichung ihrer glühenden Leidenschaft stets einen Aschehauch voraus ist. Für die deutschen Kinos ist somit in punkto Einspiel kein Tanz auf dem Vulkan, sondern ein siedendheißer Hit zu erwarten. ara.
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