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Cecil B. Filmkritik

Cecil B. Filmkritik

Film
Cecil B.
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2008-04-22 16:55:46
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

John Waters, das ewige Enfant Terrible Hollywoods, ist zurück - und diesmal

hat er sich nichts weniger als die Zerstörung des seelenlosen Kommerzkinos vorgenommen. Seine wilde Satire auf den Filmbetrieb spart nicht an bitteren Wahrheiten, rauchenden Colts und einer Melanie Griffith in Hochform. Dass das Ergebnis kein grimmiges Manifest, sondern eine eher liebenswürdige, temporeiche Komödie ist, spricht für die Nonchalance des Regisseurs: Wenn die Botschaft derart unverblümt ist, darf man auch ein Schleifchen drumbinden.

Titelheld ist ein junger Filmemacher, den Stephen Dorff als Kreuzung aus

Charles Manson und Josef von Sternberg spielt: Cecil B. Demented entführt mit

seinem Filmteam, verkleidet als Platzanweiser, Popkornverkäufer oder

Kartenabreißer, die zickige Hollywood-Diva Honey Whitlock (Melanie Griffith)

direkt bei der Premiere ihres neuen Schmachtfetzens. In einem halbverfallenen

Theater, in dem er ein kunterbuntes Schrotthalden-Set eingerichtet hat,

zwingt Cecil dem Star mit einem Elektroschocker Gehorsam als

Hauptdarstellerin ab, und nachdem die erste Szene im Kasten ist, erläutert er

seinen Plan: Er will die "ultimative Realität" finden und als eine Art

"Dogma"-Terrorist seinen Film - um die Frau eines gescheiterten

Kunstfilmverleihers, die Rache am Mainstreamkino nimmt - überfallartig mit

echten Menschen an echten Schauplätzen zu Ende drehen. Am nächsten Morgen

zieht die Truppe los, und der Schrecken beginnt. Ein Familienkino wird

gestürmt, das den "Patch Adams Director's Cut" zeigt, und eine Versammlung

von staatlichen Filmförderern bekommt Cecils Zorn ebenso zu spüren wie die

Produktion von "Forrest Gump 2: Gump Again". Während das Filmteam bei den

Anschlägen nach und nach dezimiert wird, steigt Honey Whitlock dank ihrer

neuen "Glaubwürdigkeit" zum Mediendarling auf.

John Waters ("Cry-Baby", "Pecker"), der in den frühen siebziger Jahren mit wüsten

Trashfilmen wie "Multiple Maniacs" oder "Pink Flamingoes" seine witzigen und

(seinerzeit) skandalösen Attacken gegen das Establishment ritt, wirft mit

"Cecil B. Demented" auch einen etwas wehmütigen Blick zurück auf die eigenen

Anfänge, wo man es ohne Geld, aber mit reichlich Phantasie und gepflegt

schlechtem Geschmack noch zum ehrlich verdienten Status als "Kult-Regisseur"

bringen konnte. Der Feind ist bis heute offensichtlich der selbe geblieben,

und wenn Cecils Truppe auf der Flucht vor schwerbewaffneten

Studio-Security-Männern oder wütenden Müttern Hilfe bei den Fans von Action-

und Pornofilmen sucht, ist das als Statement nicht weniger deutlich als die

Tätowierungen, die die jungen Kino-Guerilleros wie Schlachtenbanner auf der

Haut tragen: Die Namen von Sam Peckinpah, Otto Preminger, Kenneth Anger,

Rainer Werner Fassbinder haben sie sich eingestochen. Zahllose Seitenhiebe

auf die Seelenlosigkeit des auf Kassenerfolg designten Hollywood-Mainstream

peppen die Handlung, die sich zum Ende hin zunehmend auf Tempo und Action

verlässt, ebenso auf wie zwei herrliche Songnummern ("Demented Forever" und

ein "No Budget"-Rap). Gerade heute, wo das Kino selbstreferenzieller denn je

ist, wird "Cecil B. Demented" auf ein junges, großstädtisches Publikum

treffen, das spritzige 88 Minuten Punkrock-Spaßkino zu schätzen weiß.

Besorgte Freunde von "Forrest Gump" seien beruhigt: Schließlich will John

Waters, anders als Cecil B. Demented, niemandem weh tun. evo.

Copyright © www.kino.de 2008.



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