Der von Horror-Ikone Clive Barker (wieder als ausführender Produzent tätig) in seinem Roman "The Forbidden" erdachte farbige, hakenschwingende Candyman (Tony Todd) geht in dem brutalen Horrorschocker "Candyman: Farewell to the Flesh" erneut seinem mörderischen Handstumpfwerk nach. Bill Condon übernahm den vakant gewordenen Regiestuhl von Bernard Rose, der das Original inszenierte, mit seiner vielgelobten Beethoven-Filmbiographie "Meine unsterbliche Geliebte" mittlerweile aber zu respektablen Ufern aufgebrochen ist. Dabei handelt es sich weniger um ein Sequel von "Candymans Fluch" als ein Remake, dessen Handlung von Chicago nach New Orleans verlegt wurde. Das bedrückend schwüle Flair der mystisch-geheimnisumwobenen Südstaatenstadt während der Mardi-Gras-Karnevalszeit, das von Kameramann Tobias Schliessler ambitioniert in ausdrucksstarken Bildern eingefangen wurde, trägt entscheidend zur überraschend stimmigen Atmosphäre des Slasherflicks bei.
Candymans Objekt der blutigen Begierde ist diesmal die blonde und Blauäugige Annie (Kellie Rowan), die dem Zuschauer als seine Verwandte angedient wird. In Flashbacks wird das abstoßend-abscheuliche Märtyrium des einstmaligen Künstlers um die Jahrhundertwende geschildert, dessen einziges Verbrechen es war, eine Weiße (Annies Urgroßmutter) zu lieben. Dafür wird ihm eine Hand abgesägt, bevor er von einem Schwarm Killerbienen totgestochen wird. In der Gegenwart konzentriert sich der rächerische Hass des sadistischen "Süßlings" auf Annies Ehemann und den Rest ihrer Familie, die er nacheinander mittels seines Fleischerhakens abschlachtet. Annie beendet die Mordserie beim Special-Effects-reichen Showdown im ehemaligen Sklavenquartier mit dem Zerbrechen von Candymans Seelenspiegel.
Das gravierende Manko dieses längst nicht so politisch motivierten Nachfolgers des Überraschungshits von 1992 sind die unfreiwillig komisch und steif wirkende Präsenz von Tony Todd in der Titelrolle und die einfallslos inszenierten Metzelsequenzen. Kellie Rowan und Veronica Cartwright als ihre alkoholsüchtige Mutter mühen sich hingegen wacker, dem abgegriffenen Material Substanz zu verleihen. Besonders gelungen ist das stilvolle Produktionsdesign und die Nutzung des French Quarter, eines alten Friedhofs und von New Orleans' Schwarzenghetto als gespenstische Kulisse. ara.
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