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"Kleine Mädchen werden auf Kill Bill abfahren," meinte Tarantino mal in einem Interview. Sicher Quentin, werden sie. Aber nur, wenn sie abgestumpfte Soziopathen sind. Denen macht's nämlich nix aus, wenn Augen rausgerissen, Köpfe abgeschlagen und auch sonst auf brutalstmögliche Weise gemetzelt wird.
Ey mann, das ist Kunst, höre ich die beachtliche Menge der Tarantino-Fans stöhnen. Damit haben sie erstens durchaus recht und sind sich zweitens ziemlich einig mit ihrem Idol. Denn der Ausnahme-Regisseur ist ohne Frage ein Künstler, er hat Filmgeschichte geschrieben und die Brutalität in seinen Filmen, so meint er selbst, hat kaum Bezug zur Realität. Sie ist oft Filmzitat, sie ist Popkultur pur, hemmungslose Hommage und kunstvoll komponierter Bilderrausch. Mehr nicht - weniger allerdings auch nicht.
Gewalt ist Entertainment
Seine Figuren nicht gewalttätig werden zu lassen, würde Tarantino geradezu als Verrat empfinden. Denn die meisten Movies, die auf dieses Ausdrucksmittel menschlicher Emotionen verzichten, empfindet er im Grunde als feige. Nach dem Motto: Sie würden gerne oder sollten eigentlich - trauen sich aber nicht. Zitat Tarantino: "Für mich ist es so, als ob andere Filme nie die Richtung nehmen, in die sie gehen sollten. Sie betrügen, und sie werden abgeschwächt."
Seine Helden - oder besser seine Antihelden - dürfen immer die Sau rauslassen, wenn ihnen aus den verschiedensten Gründen danach ist. Egal, ob mit dem Baseball-Schläger, dem Messer, einem Samuraischwert oder was ihnen sonst noch so in die erbarmungslosen Hände fällt. "Es gibt nichts, was meine Protagonisten nicht machen können. Ich zensiere sie nicht.."
Geschwelgt in Gewaltszenen hat der für sein enzyklopädisches Filmgeschichtswissen berühmte US-Kinomacher besonders in diesen drei Filmen - seinen größten bzw. fiesesten Gemetzeln:
Pulp Fiction
Oft genug hat Gewalt bei Tarantino eine komische Note. Besonders in seinem ersten großen kommerziellen Erfolg "Pulp Fiction". Mindestens wei Drittel des Publikums haben im Kino gelacht, als Samuel L. Jackson und John Travolta als abgefahrenes Killerduo "aus Versehen" das Hirn ihres Gefangenen auf dem Auto-Rücksitz verteilen (Clip starten). Die Szene ist Kult, genau wie Tarantino. Der findet auch: "Gewalt ist das Lustigste, was man sich ansehen kann".
Kill Bill
Uma Thurman ist die Braut, die sich echt was traut. Meucheln am Fließband nämlich, atemberaubend in Szene gesetzt. Vor allem in Teil zwei spritzt das Blut dabei kübelweise und abgetrennte oder herausgerissene Körperteile sind keine Seltenheit. Grandios: Umas endloser Fight gegen die "Crazy 88", eine Horde kampfkunsterprobter Asiaten (Clip ansehen). Eine brillant choreographierte Szene von erstaunlicher Ausführlichkeit.
Death Proof
Schon mal in Großaufnahme gesehen, wie drei Frauenkörper bei einem Frontalzusammenstoß zweier Autos zerfetzt werden? Das kann, wer will, grauenhaft detailliert und realistisch in Tarantinos "Death Proof" erleben. Auch dieser Film ist wieder ein einziges großes Zitat, eine Hommage an die so genannten "Grindhouse"-Filme der 70er-Jahre (Trailer ansehen). Die waren ebenfalls nicht arm an Gewalt, verfügten aber längst nicht über den Realismus der heutigen Special Effects.
Um das noch einmal klarzustellen: Ein Film muss nicht die Realität abbilden, geschweige denn als Moralapostel fungieren. Sonst müsste man einen Gutteil aller im TV oder Kino gezeigten Produktionen verbieten und hätte sehr viel weniger zum Aufregen, Entspannen und Nachdenken. Aber kann so ein Epos ganz im ethikfreien Raum schweben? Da habe ich doch berechtigte Zweifel. Auch wenn die Schlussfolgerung natürlich nicht heißt: Wer Tarantino guckt, greift zur Waffe. Damit würde man Filmsehern viel zu wenig Hirn und Eigenverantwortung zugestehen.
Was bleibt?
Aber eine "Message" hat Tarantinos Kunst der komischen oder ästhetischen Gewalt doch. Gerade so beeindruckende Bilder, wie sie Tarantino ganz ohne jeden Zweifel auf geniale und künstlerischeWeise erschafft, hinterlassen Spuren. Und nicht jeder ist so ein pazifistischer Gutmensch oder intellektueller Reflektierer, dass ihm die Zelebrierung von Gewalt als ästhetisches Spektakel oder bloßer Witz nichts anhaben kann.
Die Verantwortung hat ein Filmemacher eben doch. Finde ich. Auch wenn er sie bewusst ignoriert. Also Quentin: Wenn's nach mir geht, mach mehr so schöne Filme voller wunderbarer Dialoge und Figuren wie "Jackie Brown" und weniger Gemetzel. Und wenn es denn Gemetzel sein muss: Bitte zeig es nie kleinen Mädchen!
Es dankt,
Deine Kate
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Fotos: © gettyimages/Filmposter.
Tarantinos aktuellste Gewaltorgie: Inglourious Basterds
Vor über 1000 Jahren kamen sie aus dem Norden - die wilden Kerle mit den lustigen Helmen. Der cleverste unter ihnen: ein kleiner Junge namens Wickie... Alle infos, Bilder und Filmkritik finden Sie im Special.
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Benutzer Kommentare
Hallo Kate, ich bin ein großer Fan von Tarantinos Filmen und stimme nicht ganz mit Deiner Mainung überein, was aber nicht schlimm ist:-). Ich möchte auch nur daraufhin weisen, dass der erste Teil von Kill Bill der blutigere von beiden Teilen ist. Der zweite hat mehr einen Roadmovie-Charackter und deckt die Hintergründe des ersten Teils auf bzw. der gesamten Story. Ansonsten sollte Herr Tarantino solche Filme wirklich nicht kleinen Mädchen zeigen! Einen schönen Tag noch Gerridt
Posted by: gerridt on Sa 15:01 29.Aug. | Missbrauch meldentarantino wird finanziert von der 1)waffenlobby 2)der alkohollobby und 3)von der tabaklobby. in fast allen filmen gibt es die fiktive zigarettenmarke "red apple", einen kommentar mit benennung der marke des schnapses oder likörs oder sonstwas alkoholhaltiges. in jedem seiner filme werden waffen sehr bewusst vermarktet. sicher greift nicht jeder zur waffe. aber er bietet ja zwei alternativen.
Posted by: ayhantevetoglu on Di 02:02 13.Okt. | Missbrauch melden