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Bent Filmkritik

Bent Filmkritik

Film
Bent
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-10-09 16:37:32
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Unter den neueren Filmen zur Verfolgung im Dritten Reich ist diese Adaption eines Stückes von Drehbuchautor Martin Sherman (1979 war Premiere in London) einer der gelungensten. Regisseur Sean Mathias kombiniert die Judenvernichtung mit der Jagd der Nazis auf Homosexuelle, von denen über eine halbe Million in den KZs umkamen und denen der Film ein Denkmal setzt. Sie mußten den rosa Winkel tragen, wie der gelbe Stern der Juden Zeichen des unabwendbaren Todes. Dank hervorragender Schauspieler bis in die Nebenrollen, einer ausgefeilten Kameraführung und Lichtästhetik sowie der packenden, unmittelbar wirkenden Geschichte ist dies kein Requiem und auch keine pathetische Trauerarbeit.

Das beginnt mit der Figur des Schwulen Max (Clive Owen), der ein ziemlich schäbiger Held ist, sich im Berlin der 30er Jahre mit Kokainhandel durchschlägt und sich von seinem Freund, dem blonden Tänzer Rudy (Brian Webber), aushalten läßt. Nach dem Röhm-Putsch werden beide verhaftet. Max tötet Rudy, um zu beweisen, daß er nicht dazugehört: alles für den gelben Stern, der im Lager Dachau eine etwas bessere Behandlung ermöglicht. Im Lager verliebt er sich in Horst (Lothaire Bluteau, "Black Robe", großartig als ausgemergelter Träumer). Ihre eingebildeten Liebesgeschichten während sinnlosen Steineschleppens hält sie am Leben, bis Horst von einem SS-Mann erschossen wird. Max begräbt ihn und sucht den Tod im Hochspannungsdraht.

Im ersten Teil eine Mischung aus "Cabaret" und Luchino Viscontis "Die Verdammten" samt einem brillanten Gastauftritt von Mick Jagger, der als Drag Queen die "Streets of Berlin" besingt und Max zynisch die zwei Seiten des Mitläufer-Bürgers zeigt, wird die Szenerie im KZ (aufgenommen in englischen Industrieanlagen) zum stilisierten und tragikomischen Alptraum, lächerlich und ergreifend wegen des Widerspruchs zwischen den erdachten Liebesszenen und den trostlosen Gestalten hinter Stacheldraht. Grandios die Kamera von Yorgo Arvanitis (alle Angelopoulos-Filme), die Musik von Philip Glass. Als so eindringlich wie Frank Beyers/Jurek Beckers "Jakob der Lügner" und Roberto Benignis "Das Leben ist schön" ein wichtiger Film, der kleine und mittlere Häuser mit künstlerischen Glanzlichtern versieht. ger.

Copyright © www.kino.de 2006.



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