Nach Marco Bechis' Politfilm "Junta" und Alejandro Agrestis Komödie "Das letzte Kino der Welt" bringt nun der kleine Verleih flax film ein weiteres Kleinod argentinischen Filmschaffens in die Kinos. Der bereits im Jahre 2000 entstandene und 2001 auf mehr als zwei Dutzend Festivals (darunter auch Berlin und München) gezeigte "B.Aires" markiert das Spielfilmdebüt des damals erst 27-jährigen Ariel Rotter, der in seinem Großstadtporträt fünf junge Leute fünf Tage lang während ihres Alltags begleitet. Es wird allerdings nicht leicht sein, für diesen unspektakulär inszenierten und ordentlich gespielten Erstling hierzulande mehr als nur die spanisch sprechende Enklave zum Kauf einer Eintrittskarte zu bewegen.
Ariel Rotter gehört zu den Absolventen der erst gut zehn Jahre alten Filmschule Universidad del Cine. Nach diversen Kurzfilmen und Drehbuch-Workshops, unter anderem mit Script-Guru Syd Field, hat er für sein erstes langes Projekt seine Heimatstadt Buenos Aires zum Schauplatz gemacht. Exemplarisch für viele Menschen seiner Generation, die sich auf der Suche nach dem richtigen Job, dem richtigen Partner, dem richtigen Leben befinden, beobachtet Rotter fünf Personen, die in der argentinischen Metropole eine WG unterhalten. Da ist Filmhochschüler Morón, der endlich sein erstes eigenes Projekt realisieren will und ein Auge auf die hübsche, chinesisch-stämmige Mitbewohnerin Ailí, die als Motorradkurier arbeitet, geworfen hat. Oder der Koch Equis, der unter Liebeskummer leidet und von einem Leben in Paris träumt, Toro, der für eine Reinigungsfirma arbeitet, aber eigentlich Schauspieler werden will. Und schließlich noch Moróns älterer Bruder Fer, der für ein deutsches Ehepaar eine Wohnung streichen soll, es aber nicht auf die Reihe bringt.
"B.Aires" erinnert ein wenig an "L'auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr", ohne aber dessen Humor und Leichtigkeit zu erreichen, und ähnelt hinsichtlich Struktur und Inhalt dem kürzlich gestarteten deutschen Erstling "Wir" von "Konrad Wolf"-Absolvent Martin Gypkens. Das heißt, auch hier findet keine klassische Handlung statt, es wird vielmehr Augenmerk auf die detaillierte Zeichnung der fünf Hauptfiguren gelegt. Dass insbesondere Morón stark autobiografische Züge trägt, macht "B.Aires" allerdings eher zu einer leicht verfremdeten Dokumentation als zu einem Spielfilm mit Authentizitätsbezug. Wie Gypkens gelingt es auch Rotter nicht, Distanz zu seinen Charakteren aufzubauen und diese in eine fiktive und dadurch wohl auch spannendere, interessantere Story zu packen.
Nachdenklich stimmt schließlich, wie der junge Argentinier die Deutschen in seinem Heimatland skizziert. Denn der (Geschäfts-)Mann, für den Fer arbeitet, ist nicht nur fett und arrogant, sondern auch noch übellaunig und beleidigend. Es wäre schön, wenn dies nicht jener Realität entspräche, die Rotter ansonsten so liebevoll und engagiert von den Menschen und seiner (Geburts-)Stadt abbildet. lasso.
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