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Ein knappes Jahr nach "Zeiten des Aufruhrs" präsentiert Sam Mendes den Gegenentwurf: eine optimistische Komödie über neues Leben.
Ohne Top-Stars, großes Budget, lange Drehzeit und die visuelle Ereignisqualität, die seine Projekte seit dem Debüt "American Beauty" auszeichneten, wirkt "Away We Go - Auf nach Irgendwo" wie ein Ausbrecher in Mendes' Filmographie. Thematisch aber bleibt Kompatibiliät gewahrt, denn wieder geht es um Familie, die Komplexität des Lebens und auch um den Tod. In "Zeiten des Aufruhrs" besiegelte Schwangerschaft noch das langsame Sterben einer Beziehung, hier jedoch löst sie Verunsicherung und Aufbruch aus.
Im Drehbuch von Dave Eggers und Vendela Vida, einem Autorenpaar mit eigenen Kindern, stehen Burt und Freundin Verona vor einer großen Zäsur. Sie ist im sechsten Monat schwanger und besorgt über die Zukunft, er surft dieser gelassen entgegen, weil ihn das Kind noch stärker an seine große Liebe binden wird. Als Burts Eltern unerwartet als Anker und Anlaufstelle ausfallen, bricht das Paar auf, um ein neues Umfeld und geeignete Erziehungsvorbilder zu finden. Der Road-Trip führt sie durch mehrere Bundesstaaten bis nach Kanada, durch ein nicht repräsentatives, aber vielfältig-amüsantes Spektrum von Paar-Beziehungen und Erziehungsansätzen. Darunter Albtraumeltern, die sich über vermeintliche Defizite und Ticks ihrer Kinder lustig machen oder im Erscheinungsbild von esoterisch angehauchten Späthippies den Nachwuchs vor traumatisierenden Erfahrungen wie Kinderwägen bewahren wollen. Diese Episoden mit Allison Janney und Maggie Gyllenhaal haben das skurrilste Figurenpersonal und sind am deutlichsten einem humoristischen Auftrag verpflichtet, während in der kanadischen Familie Glück, Melancholie und Trauer fast gleichberechtigt existieren.
Die wichtigste Beziehung des Films bleibt aber die der Hauptfiguren, die einmal nicht wie Filmstars, sondern normale Menschen aussehen und von zwei Komödianten gespielt werden. Der sympathische John Krasinski ("Ein verlockendes Spiel") bewegt sich dabei auf vertrautem Terrain, während "Saturday Night Live"-Star Maya Rudolph ernst und introspektiv überzeugend Neuland beschreitet. "Away We Go - Auf nach Irgendwo" ist visuell belangloser als frühere Mendes-Filme, bietet auch keine weltbewegend neuen Erkenntnisse, aber als leise komischer, charmanter und berührender Kommentar über Familie, Glück und das Eindringen von Verantwortung in Sorglosigkeit ist er eine Reise ins Kino sehr wohl wert. Gute Filme finden Anschluss an die eigenen Erinnerungen. Diesem hier gelingt es. kob.
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