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Unaufdringlich dokumentiert Alexandra Westmeier jugendliche Straftäter in einer Besserungsanstalt im Ural, wo sie mitunter erstmals eine Art Zuhause gefunden haben.
Den Max-Ophüls-Preis für die beste Dokumentation und darüber hinaus eine rekordverdächtige Anzahl Festivaltrophäen kann die russischstämmige Alexandra Westmeier verbuchen, für eine immer wieder zu Herzen gehende Arbeit über die minderjährigen Insassen eines Jugendgefängnisses im Ural. 120 Jungs zwischen elf und 16 Jahren sitzen hier ein, tragen stolz Tattoos wie das titelgebende, das sie für immer als straffällig markieren wird. Es sind Diebe, Schläger und auch Mörder, doch sie alle stammen vom gesellschaftlichen Rand, stahlen aus Hunger. Wenn sie von ihren Elterhäusern erzählen, sofern diese existieren, mag man nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Viele haben noch nie Besuch ihrer Angehörigen erhalten, sie wurden im Stich gelassen. Zwar bricht mancher Neuzugang vor Heimweh in Tränen aus, doch die Anstalt ist ein humaner Bau, wo sie es besser als Zuhause haben: Keine Schläge und Gewalt, dafür ordentliches Essen, Unterricht, Sport und ärztliche Versorgung.. Das ist etwas, das sie bisher nicht kannten: Ein Heim.
Stilistisch unauffällig, unaufdringlich und respektvoll beobachtet Westmeier den streng strukturierten, aber ohne Drill vor sich gehenden Alltag in der Anstalt, lässt dazwischen die Kinder von sich erzählen, ohne ihnen zu nahe zu rücken. Ihre Geheimnisse geben sie von ganz allein Preis. Der Zuschauer lernt sie nicht als Verbrecher, sondern als ganz normale Kinder kennen, deren Fehler sie ins Abseits katapultiert haben. Das Personal bleibt außen vor, dafür besucht das Filmteam die ratlosen Eltern. Tolja, der sich zur zentralen Figur entwickelt, berichtet schließlich von dem Mord, den er zusammen mit einem Freund beging. Westmeier sucht auch die trauernde Mutter des Opfers auf, die für den Täter nur Hass übrig hat und nicht verstehen kann, wieso Tolja entlassen werden darf. Er wird in einr feindliche Welt entlassen werden, wo er wieder ums Überleben kämpfen muss - neun von zehn Jugendlichen landen erneut hinter Gitter; ein bedrückendes Fazit. tk.
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