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8MM Filmkritik

8MM Filmkritik

Film
8MM
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-05-08 20:27:56
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Sechs Jahre nach "Falling Down" wagt Batman- und Grisham-Spezialist Joel Schumacher mit einem infernalischen Update von Paul Schraders "Hardcore" erneut einen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele und auf die Kehrseite des amerikanischen Traumes. Unverkennbar stammt der Stoff aus der Feder von "Sieben"-Autor Andrew Kevin Walker, der die kompromißlos-deprimierende Thriller-Geschichte um die Ursprünge eines Snuff-Filmes (Gewaltpornographie, in der tatsächlich ein Mensch vor laufender Kamera getötet wird) einmal mehr mit katholischem Themenkatalog und religiöser Symbolik versah und Nicolas Cage die Bühne bereitet für die unter die Haut gehende Darstellung eines gefallenen Engels.

In "Hardcore" begab sich George C. Scott als konservativer Geschäftsmann in den Sumpf der kalifornischen Pornoszene, nachdem er seine vermißte Tochter als Akteurin in einem Pornofilm entdeckt hatte. Schumacher und Walker variieren das Thema, ersetzen die Kritik an der Kommerzialisierung des Sex mit einer Sinnsuche nach der Antriebsfeder für Lust an Gewalt und Mord, bereichern sie um reißerische Thrillerelemente und schicken Nicolas Cage als rechtschaffenen Privatdetektiv und Familienvater geradewegs ins Fegefeuer: Von der Witwe eines Millionärs angeheuert, die im Nachlaß ihres Mannes das Unikat eines Super-8-Filmes entdeckt, auf dem zu sehen ist, wie ein Mädchen von einem Mann in einer Ledermaske buchstäblich abgeschlachtet wird, soll dieser Tom Welles nun herausfinden, ob der Film authentisch ist und wer das Mädchen war. Die Ermittlungen führen in die superextreme Hardcore-Szene der Metropolen, in der jede Perversion bedient wird, wenn der Preis stimmt - eine Vorhölle, in der abartige Typen wie der schmierige Produzent Poole (James Gandolfini) und der bizarre Schock-Künstler Dino Velvet (Peter Stormare als diabolische Inkarnation von New Yorker Undergroundfilmern wie Nick Zedd oder Richard Kern) wie Unkraut gedeihen. Mit dem jungen Sexshopangestellten Max (Joaquin Phoenix) als eine Art Sadomaso-Charon an seiner Seite wagt der Detektiv den Abstieg in diesen Gewalthades, aus dem es schließlich nur bedingt eine Rückkehr geben wird.

Verdammnis, Sühne und Erlösung sind die Themen, die Autor Walker in seinem düsteren Höllentrip auf die Schattenseite der menschlichen Existenz bewegen. Wie schon in "Sieben" läßt er seinen Helden überleben, aber ein Gewinner kann er nicht sein. Seine Konfrontation mit der Essenz des Bösen hinterläßt ihn als gebrochenen Mann, der Schuld auf sich laden muß und nie wieder in die Normalität zurückkehren kann. Konsequenter, getriebener und erbarmungsloser erzählt in Hollywood gegenwärtig niemand seine Geschichten, und nicht einmal der stets um Mainstream-Kompatibilität bemühte Joel Schumacher kann die Wucht dieses gemeinen Magenhiebes mindern, der den Zuschauer wie seinen Protagonisten im Regen stehen läßt. Zwar mindern Schumachers hinlänglich bekannte Overkill-Ambitionen im Ausstattungsbereich und unnötige Bemühungen um Popreferenzen die Wirkung des ansonsten so eiskalt auf Effekt ausgerichteten Deproschockers, aber Nicolas Cages mutiges Porträt eines ehrlichen Mannes, der bei der Suche nach den Ursprüngen der Mordlust des Menschen die eigenen finsteren Instinkte aus dem Schlummer erweckt, macht "8MM" nicht nur stets sehenswert, sondern auch dann noch faszinierend charakterorientiert, wenn die 9-MM-Schußwaffen sprechen. Sicher kein typisches Blockbuster-Projekt im klassischen Sinne, dürften dieser harte Einblick in eine beklemmende Halbwelt dank der Popularität seines Hauptdarstellers und seiner letztlich beachtlichen Konsequenz beim Kinogänger auf die nötige Resonanz stoßen. ts.

Copyright © www.kino.de 2006.



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