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Burger und Kommerz

Richard Linklater befindet sich derzeit im kreativen Arbeitseifer: Zuerst die knallbunte Jack Black-Komödie "School of Rock", danach mit "Before Sunset" ein romantischer Gruß ans Schicksal und zuletzt der ulkige Kindersportfilm "Die Bären sind los". Nun präsentiert er in Cannes neben seinem Science-Fiction Thriller "A Scanner Darkly" auch noch "Fast Food Nation" - und schimpft in der bitterböse Satire über die düsteren Seiten der amerikanischen Burger-Industrie.

Don Henderson (Greg Kinnear) ist Marketingchef bei "Mickey's Food". Die größte Errungenschaft seiner Karriere ist die Erfindung von "The Big One", dem Namen des bestverkauften Burgers des Unternehmens. Doch als er in einer Kleinstadt nahe der mexikanischen Grenze herzhaft in eines seiner erfolgreichen Produkte beißt, nimmt der Prozess der Menschwerdung seinen unweigerlichen Lauf: Im Laufe seines Aufenthalts erfährt er von der Ausbeutung illegaler Immigranten, der schlechten Qualität seiner Produkte und der brutalen Hinrichtung der als Buletten vorgesehenen Schlachttiere.Irgendwie verfolgt in dieser Trostlosigkeit, die dem Kapitalisten die realitätsfremde Plastikwelt der amerikanischen Society vor Augen führt, jeder seine eigene Ziele: Immigranten heuern als Fließbandarbeiter an, zwei Jungs schmieden beim Bulettenbraten Pläne für einen Einbruch im eigenen Unternehmen, und eine Gruppe junger Umweltfanatiker verzweifelt darüber, dass etliche 1.000 Tiere Schlachtvieh einfach nicht durch ihr sorgsam geschlagenes Loch im Gatter flüchten wollen.

"Fast Food Nation" fußt auf der Romanvorlage von Eric Schlosser. Linklater gelingt eine grundsolide Abrechung mit der amerikanischen Fast Food-Industrie. Seine blutgetränkten Schlachtungsszenarien machen vielleicht nicht jeden überzeugten Fleischesser augenblicklich zum vegetarischen Umweltsympathisanten, führen diesem aber vielleicht zumindest eindringlich vor Augen, zu welch brutalen Konsequenzen billige Fabrikproduktion von Lebensmitteln führen muss. Wie nah er damit den Nerv der Realität trifft, zeigt sich an der Reaktion großer Burgerketten, die dem Zuspruch des Filmes mit teuren Marketing- und Werbekampagnen Einhalt gebieten wollen. Umso lauter toste der Applaus an der Croisette, der dem Workaholic weiteren Auftrieb geben dürfte. Linklater wurstelt weiter - und wie!

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