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Zärtlich-poetische Betrachtung einer innigen Vater-Tochter-Beziehung in einem Pariser Kreolen-Viertel und der für beide schwierige Abnabelungsprozess.
Ein Migrantenviertel, ganz anders als man es aus dem Fernsehen kennt: weder explizite Gewalt noch Drogen, Armut oder Arbeitslosigkeit, sondern ein Viertel, in dem die Bewohner sich in den grauen Betonsilos gemütlich einigeln, arbeiten gehen und sich mit ganz normalen Sorgen von Großstädtern herumschlagen. In einer der Wohnungen leben der Zugführer Lionel und seine Tochter Josephine, nach Jahren der Trauer haben sie sich eingerichtet in der Routine: nach Hause kommen, Duschen, Essen, Freizeit. Der Mann möchte die junge Frau halten, obgleich er weiß, dass sie erwachsen ist und auf eigenen Füßen stehen muss. Den anderen loszulassen, keine leichte Angelegenheit. Schon mal gar nicht, wenn der Vater das Kind nach dem Tod der Mutter alleine großgezogen hat. Aber das Mädchen will sich abnabeln, eigene Wege gehen. Noch hält Gewohnheit und Zuneigung sie zusammen, aber das Frühwarnsystem kleiner Freiheitssymptome signalisiert das Ende der innigen Beziehung, auch wenn der Witwer das nicht wahr haben möchte. Im unwirtlichen Pariser Immigranten-Vorort zwischen Schienen, Masten und Straßen begegnen sich die Menschen zufällig, halten einen Moment inne, um dann wieder weiter zu hasten.
Ohne große Handlung und mit großer Ruhe und Poesie entwirft Claire Denis in dieser einfühlsamen Studie über die persönlichen Probleme des Erwachsen- und Älterwerdens auch den Mikrokosmos von "kleinen Leuten" in der kreolischen Gemeinschaft. Dabei zeigt sie nicht plakativ auf Missstände, sondern schildert sie mit großer Selbstverständlichkeit ganz nebenbei. Leise Andeutungen ersetzen laute Worte. Nur selten kommt etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl auf, wenn sich Vater und die anhänglich-lästige Nachbarin Josephine und der hoffnungslos in sie verliebte Nachbar, der an der ihm vererbten elterlichen Wohnung nicht einen Deut geändert hat, eines Abends für ein Konzert zusammentun und dann doch nur auf ein paar Gläschen Rum in einer Eckkneipe landen. Das wird zum ausgelassenen Fest ungelebter Träume. Endstation Sehnsucht. mk.
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