20/03/2008 12:05
Berlin (ddp) Die 17-jährige Lena (Elinor Lüdde) befindet sich auf dem Absprung. Sie steht kurz vor ihren Abschlussprüfungen in der Schule und ist bereit für das Leben in der Welt der Erwachsenen. Allerdings ist sich Lena noch unschlüssig, wohin die Reise gehen soll. Ein langweiliger Bürojob kommt für sie jedenfalls nicht in Frage. Ein wenig mehr Aufregung sollte die Zukunft schon bringen. Also setzt sich die Teenagerin gegen den Willen ihres Vaters ans Schlagzeug und träumt von einem Leben als Popstar.
In seinem Kinodebüt beschäftigt sich der Kurzfilmer Hagen Keller mit dem ewig jungen Thema des Erwachsenwerdens «Meer is nich» kreist dabei vollständig um die Gefühle der unschlüssigen Schülerin. Sie ist weder Fisch noch Fleisch. Lena ist bereit für die Zukunft und weiß ganz genau, was sie nicht will: Monotonie und Langeweile. Sie ist sich allerdings sehr unsicher, wie sie dieses Ziel erreichen soll. Die simpelste Lösung scheint ihr ein Leben als Popstar zu sein. Dazu müsste sie allerdings raus aus Weimar. Und dazu ist die heimatverbundene Lena nicht bereit. «Niemals Berlin!», skandiert sie gemeinsam mit ihrer Mädchenband, bei der sie im Verlauf des Films am Schlagzeug landet.
Interessanterweise gibt es die Gruppe in dieser Besetzung unter dem Namen sleazy inc operated auch in Wirklichkeit. Sie hat sogar eigene Stücke zum «Meer is nich»-Soundtrack beigetragen. Hauptdarstellerin Elinor Lüdde weiß also, was sie tut, wenn sie an den Drums die Stöcke schwingt. Und das merkt man der Nachwuchsdarstellerin an. Sie hat nicht nur sichtbare Freude am Schauspiel, sondern auch an der Musik, die in «Meer is nich» eine wichtige Rolle einnimmt.
Das Zentrum des Films dreht sich dennoch um die Wünsche und Hoffnungen der Schülerin Lenas Gefühlswelten werden dabei authentisch an den Zuschauer herangetragen. Mal wirkt sie vollkommen erwachsen, mal ist sie so verstockt wie ein pubertierender Backfisch. Nichts erscheint dabei weit hergeholt und überzogen. Genauso könnte der Mikrokosmos jeder x-beliebigen Heranwachsenden heutzutage aussehen. Egal, ob in Weimar, Kiel oder Augsburg. Der kindliche Mädchentraum vom Leben im Rampenlicht ist noch nicht ganz ausgeträumt, und trotzdem ist im tiefsten Innern bereits die realistische Einsicht gewonnen, dass nicht jeder ein Superstar werden kann.
«Meer is nich» verliert auf dem Weg zu dieser Erkenntnis zu keiner Zeit seine Bodenhaftung Inhaltlich fehlen dem Film dadurch zwar ein klein wenig die dramatischen Spitzen, dafür sorgt die Handlung für eine gehörige Portion Identifikation. Zumal sich Lüdde als hinreißender Glücksgriff entpuppt. Für ihre Hauptrolle wurde die 24-jährige Thüringerin unlängst mit dem Bayrischen Filmpreis als bestes Nachwuchstalent dekoriert. Sie hat es sich verdient. «Meer is nich» ist eine sympathische Coming-of-Age-Geschichte, die sich behutsam in die Lebenswelt junger Erwachsener einfühlt. Gelungenes Debüt!
(«Meer is nich», Drama, Deutschland 2007, 103 Minuten, FSK: 0, Regie: Hagen Keller, Darsteller: Elinor Lüdde, Luise Kehm, Sandra Zänker, Thorsten Merten ua.)
Kinostart: 27 März 2008
(ddp)
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