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28 Tage Filmkritik

28 Tage Filmkritik

Film
28 Tage
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-05-08 20:28:24
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Vier Wochen Zwangsentzug für ein verantwortungsloses Leben im Rausch zwischen Disco, Tabletten, Sex und Alkohol sehen Regisseurin Betty Thomas ("Dr. Dolittle") und Autorin Susannah Grant als Medley aus komischen und dramatischen Momenten, in dem der Charme von Sandra Bullock den Ton angibt. Damit ist der Grad ihrer Popularität wohl auch das dominante Kriterium, ob diese unentschlossene, auf Nummer sicher gehende und somit in ihrer Wirkung verpuffende Dramödie ein Hit wird.

Bullocks letzte Filme " Eine zweite Chance" und "Auf die stürmische Art" blieben hinter den Erwartungen zurück, die man aufgrund des Stars und des romantischen Genres haben konnte. Ihr Charme mag Abnutzungserscheinungen zeigen, aber er bleibt auch in "28 Tage" eine markante Sympathiegröße der Kinofee, die hier in kleinen dramatischen Häppchen eine andere Seite zeigen kann. "28 Tage" wirkt wie ein klassischer Übergangsfilm für Komödienspezialisten wie Betty Thomas, die sich nach "Der Faust im Nacken" strecken, aber bis zu diesem Ziel nicht zu viele Schritte auf einmal gehen wollen. Womit dieser Film seine Fühler zum Drama ausfährt, sie dann aber immer wieder einzieht. Nach Filmen wie "Auf immer und ewig" und der Julia-Roberts-Show "Erin Brockovich" hat Drehbuchautorin Grant ihr Händchen für (moderne) Märchen bewiesen, das sie im Grunde auch hier präsentiert. Nachdem Betty Thomas nicht gerade subtil Bullocks Schriftstellerin Gwen Cummings als Alkoholikerin und Party-Poltergeist etabliert hat, zieht der Film in die Reha-Klinik um, in der Bullock per Gerichtsbeschluss 28 Tage verbringen muss. Die weitere Handlung orientiert sich mit Verleugnung, Bewusstwerdung und Konfrontation an den typischen Stationen in der Beendung einer Drogenkarriere. Die dramatische Zäsur, die aus der widerwilligen Zwangsinsassin eine aktive Therapiearbeiterin macht, führt die unvorbereitete Suizidtendenz von Bullocks Mitbewohnerin herbei, die wie die anderen Figuren der Entzugsgruppe, unter denen sich auch das Klischee eines Schwulen findet, eine psychologische Skizze bleibt. Thomas' Versuch, das Beste beider Welten, der dramatischen wie auch der komischen, für ihren Film zu nutzen, führt zwangsläufig zu einem Oberflächenfilm, über dem man gelegentlich schmunzeln, aber den man in seriösen Momenten nicht wirklich ernst nehmen kann. Die Folgen sind eine Verharmlosung eines körperlichen Gewalteingriffs, der ein Entzug tatsächlich ist, und verpuffende biographische Schnipsel, die Bullocks Verhalten in Rückblenden familiär verständlich machen sollen. Weil dieser moralische Botschaftsfilm die kuriosen Therapieformen der Klinik, die vom Pferdestreicheln bis zu militärischen Übungen reichen, zwar anspricht, sie aber nicht satirisch zu hinterfragen traut, bleibt manche Chance für frechen Humor ungenutzt. Was insgesamt die kommerziellen Chancen wohl nicht verbessert. kob.

Copyright © www.kino.de 2006.



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