11/02/2008 14:19
Berlin (ddp-bln) Im Kino ist fast alles möglich. Auch, dass Ratten kochen, wie zuletzt der Animationsfilm «Ratatouille» fantasievoll zeigte. Die 58. Berlinale nimmt nun das in Paris spielende Märchen zum Anlass und lässt junge Zuschauer im Rahmen des Programms Kulinarisches Kino das Gericht zubereiten, das dem Film seinen Namen gab. Schauplatz ist das Spiegelzelt am Martin-Gropius-Bau.
«Wir werden mit den Kindern eine Ratatouille kochen», sagt Thomas Struck, Projektleiter des Kulinarischen Kinos «Aus Mangel an Originalgemüse der echten Ratatouille-Jahreszeit nehmen wir Gemüse der Saison.» Die Tomaten kommen aus der Dose. Die für Freitag geplante Aktion mit Kindern eines Kreuzberger Jugendprojektes wird von Experten wie den mehrfach prämierten Köchen Martin Scharff und Jürgen Koch begleitet.
Für Struck ist es ein Leichtes, die beiden Erlebnisse Essen und Kino zu verbinden Sie hätten, so sagte er am Montag kurz vor der Spiegelzelt-Eröffnung, beide mit Genießen zu tun. «Und sie sind Kommunikationsformen. Essen stand am Beginn der Zivilisation, Kino verkörpert ein neues Kommunikationsmedium.» Sie zusammen böten eine «sexy Kombination». Allein der Film «Ratatouille» beweise, wie grandios man Geschmack abbilden könne.
In Berlinale-Chef Dieter Kosslick sieht Struck einen Menschen mit Geschmack Dem «Genießer» Kosslick und seinen Ideen sei die Existenz des Kulinarischen Kinos zu verdanken, sagte er. «Ich kann mir darum nicht vorstellen, dass sich das Kulinarische Kino mit anderen Filmfestivals vertragen würde.»
Im Mittelpunkt des diesjährigen Berlinale-Programms Kulinarisches Kino steht das Slow Food Die Bewegung sieht sich als Gegenpart zum Trend des Fast Food und besinnt sich auf Nahrungsmittel, die «gut, sauber und fair» produziert wurden.
Den Auftakt zum Kulinarischen Kino sollte am Montag Carlo Petrini, der Vater der Slow-Food-Bewegung, machen Petrini wollte im Anschluss an den Film «Der diskrete Charme der Bourgeoisie» mit «Zeit»-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über «Die Zukunft unserer Nahrung» sprechen. Am Dienstag und Mittwoch führt TV-Moderator und Hobbykoch Alfred Biolek das Gespräch über «Die Sterne der Küche» und «Die Kunst zu überleben», am Donnerstag plaudert Moderator Jörg Thadeusz mit seinen Gästen über «Kochen, Filmen, Leidenschaft».
«Essen, Film, Talk - die Leute lassen sich gern auf diese Reihenfolge ein», sagte Struck Als weitere prominente «Kommunikatorin» steht im Anschluss an jeden Abend Filmemacherin und Romanautorin Gisela Stelly Augstein an der Bar des Spiegelzeltes für Fachsimpeleien zur Verfügung.
Die Gerichte zu Film und Talk werden «ganz im Geist des jeweiligen Films» von gefragten Köchen zubereitet, wie Struck ankündigte Jeder Koch habe den Film des Abends gesehen, sich dazu Gedanken gemacht und diese Gedanken ins Menü einfließen lassen. Zu den Küchenmeistern zählen Bobby Bräuer, Cornelia Poletto, Thomas Kellermann, Kolja Kleeberg und Jesús Almagro.
Die cineastisch-kulinarischen Erlebnisse kosten pro Abend 49 Euro Für bereits sieben Euro können ab 22.00 Uhr «Spätvorstellungen ohne Menü» gebucht werden. Gast ist dabei unter anderen der spanische Avantgardekoch Ferran Adrià. Adrià steht für jene geradezu filmreife Küche, "die die Speisen in ihre Rohstoffe zerlegt, um die Essenz zu finden und sie in eine neue Form zu bringen». Ergebnis ist zum Beispiel warmes Eis.
(ddp)
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