10/05/2007 11:27
In seinem hochkarätig besetzten Ensemble-Film "Bobby" schildert Emilio Estevez die fiktiven Erlebnisse von 22 Personen am Vorabend der Ermordung von Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy 4. Juni 1968, Hotel Ambassador, Los Angeles: Das Hauptquartier des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy gleicht einem Ameisenhaufen. Es ist der Tag der kalifornischen Vorwahlen, und die Vorbereitungen für eine groß angelegte Party laufen auf Hochtouren.
Während der ehemalige Türsteher John (Anthony Hopkins) mit seinem Rentenkumpel Nelson (Harry Belafonte) in der Hotellobby das bunte Treiben bei einem Schachspiel genießt, hat Hotelmanager Paul Ebbers (William H. Macy) alle Hände voll zu tun, zwischen organisatorischen Dingen und seiner Geliebten (Heather Graham) auch noch Zeit für seine Frau Miriam (Sharon Stone) aufzubringen, die im Kosmetiksalon des Luxushotels als Frisöse arbeitet. Während den Hotelgästen trotz des Trubels eine entspannte Atmosphäre vermittelt wird, traktiert der Abteilungsleiter Timmons (Christian Slater) seine ausländischen Küchenangestellten Edward (Laurence Fishburne) und Jose (Freddy Rodríguez) mit rassistischen Parolen. Die Volontäre Wade und Dwayne (Joshua Jackson & Nick Cannon) sowie die tschechische Journalistin Lenka (Svetlana Metkina) nehmen ihre Aufgabe ernster als die beiden Jugendlicher Jimmy und Cooper, die Kennedy eigentlich als Wahlkampfhelfer unterstützen wollten und sich nun doch lieber unter Anleitung eines Junkies (Ashton Kutcher) mit LSD zuknallen. Sängerin Virgina Fallon (Demi Moore) hat ähnliche Probleme: Sie ist angereist, um auf der Wahlkampfparty des Präsidenten zu singen, doch wegen ihrer schweren Alkoholabhängigkeit versucht ihr frustrierter Ehemann (Emilio Estevez) sie vor der peinlichen Vorstellung zu bewahren. Von all den Problemen bekommen ein älteres Ehepaar (Martin Sheen & Helen Hunt) und zwei junge Liebende (Lindsay Lohan & Elijah Wood) nichts mit: Sie haben sich im Hotel einquartiert, um möglichst ungestört ihre Liebe zu besiegeln.
Dazu wird es nicht kommen: Nach dem Sieg der Vorwahlen und einer Dankesrede Kennedys bei seiner Party wird der Präsidentschaftskandidat kurz nach Mitternacht von dem palästinensischen Einwanderer Sirhan Bishara Sirhan mit einer Kugel niedergestreckt. Ein Tumult entsteht, bei dem nicht nur alle Beteiligten zusammenfinden, sondern fünf von ihnen auch schwer verletzt werden...
Mit seinem hochkarätig besetzten Ensemble-Film "Bobby" gelingt dem New Yorker Regisseur Emilio Estevez ein gelungenes Zeitportrait, das die Ermordung des Präsidentschaftskandidaten in ein Verhältnis zu 22 fiktiven Geschichten setzt, die sich kurz vor der Tat im selben Hotel abgespielt haben könnten. Die persönlichen Kämpfe der Normalen Hotelgäste repräsentieren das gespaltene Amerika der Zeit: Rassendiskriminierung, soziales Gefälle, Gewalt, exzessive Drogenexperimente und der omnipräsente Vietnamkrieg. Alles Zeiterscheinungen, denen Kennedy als umschwärmter Kandidat des Volkes ein Ende setzen wollte. "Dieser Tag war der Tod der Hoffnung", erklärt Estevez die Brisanz des Themas. "Der Vorfall hat die Nation verändert und in einen Freifall gestürzt, von dem wir uns bis heute nicht erholt haben." Die geschickte Mischung von Archivmaterial und nachgespielten Szenen entwickelt bei Estevez vor allem die fulminanten Endszenen eine Kraft, die zu rühren vermag und mit den Originalworten Kennedys auch von der Wunschvorstellung eines human Traums erzählt, den Amerika bis heute nicht verwirklicht hat.
(filmreporter.de)
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