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187 - Eine tödliche Zahl Filmkritik

187 - Eine tödliche Zahl Filmkritik

Film
187 - Eine tödliche Zahl
Autor
anonymous
Filmkritik vom
2006-02-13 20:04:20
Bewertung
3/5 3 stars
Quelle
www.kino.de
Filmkritik

Die Saat der Gewalt geht noch immer auf - 42 Jahre nachdem Richard Brooks den Tatort Klassenzimmer erstmals in den Mittelpunkt einer filmischen Kraftprobe zwischen Lehrer und Schüler stellte. Anders als in dem Hit "Dangerous Minds" reicht es in Kevin Reynolds' apokalyptischem Thriller allerdings nicht mehr aus, den Kindern die Texte von Bob-Dylan-Liedern beizubringen, um für Harmonie an der High School zu sorgen. In der filmischen Bankrotterklärung an ein System überzeugt Samuel L. Jackson mit dem Porträt eines bis zum Äußersten getriebenen Lehrers. Blickfang ist jedoch Ericson Cores innovative Kameraarbeit, die die urbane Verwahrlosung in Kombination mit dem blendend ausgewählten Soundtrack schockierend direkt einfängt.

In einer späten Szene des Films bereitet sich ein junger Gangbanger auf die finale Konfrontation vor, indem er sich eine Sequenz aus "Die durch die Hölle gehen" ansieht, in der sich Robert De Niro und Christopher Walken beim russischen Roulette gegenübersitzen. Nur wenig später wird der Junge die Szene nachstellen: mit sich und seinem Lehrer als Protagonisten. Es ist die Quintessenz von "187" und gleichzeitig die überdeutliche Message: Amerika führt seine Kriege nicht mehr in fernen Ländern, längst zieht man den Feind in den eigenen Schulen heran.

Das erschreckende Dilemma eines amerikanischen Großstadtlehrers unserer Zeit wird gleich in den ersten Szenen etabliert: Weil er einem Schüler (Cameo von Wu-Tang-Clan-Mitglied Method Man) die Versetzung verweigern muß, wird der idealistische Lehrer Trevor Garfield mit mehreren Messerstichen niedergestreckt. Er mag von New York nach Los Angeles umziehen, der Film seine Farbgebung von stahlblau-grauen zu gelblichen Tönen ändern, als der Lehrer nach 15 Monaten angsterfüllt eine neue Stellung antritt, hat sich im Klassenzimmer nichts geändert: Unverhohlener Haß und Aggression schlagen ihm von Seiten der Schüler entgegen. Während sich andere Lehrer in ihr Schicksal ergeben oder radikalen Fantasien nachhängen, gibt Garfield nicht auf, doch etwas in seiner apathischen Klasse zu bewegen. Daß der unscheinbare, friedfertige Mann bei seinen Bemühungen übers Ziel hinaus schießt, die Narben tiefer liegen als zunächst gezeigt und er bei hartnäckigen Fällen tatsächlich rot sieht, offenbaren die Filmemacher völlig unvermutet erst nach der Halbzeit, ohne daß es zuvor Anzeichen für einen Amoklauf auf Raten gegeben hätte. Wie der Protagonist verliert auch der Film ab diesem Zeitpunkt den Kopf: Was als ernstzunehmendes Psychodrama beginnt, mündet in eine absurde Rachefantasie, eine Nineties-Variante von "Die Klasse von 1984", bei der die Gewaltakte allerdings nicht in bester Exploitation-Manier kartharsische Zwecke erfüllen, sondern freudlosen und unmotivierten Verzweiflungstaten gleichkommen. Als Zuschauer bleibt man irritiert ohne Sympathieträger zurück, denn auch für Garfields Höllenklasse kann man beim besten Willen kein Mitleid empfinden. Es ist die differenzierte Darstellung von Samuel J. Jackson, die einen doch bis zum bitteren Ende durchhalten läßt: Ein stiller, fragiler Auftritt, bei dem der virtuose Schauspieler vom Drehbuch des ehemaligen Lehrers Scott Yageman im Stich gelassen wird. Der hatte offensichtlich ein anderes Anliegen: Er wollte sich kräftig seinen Frust vom Leibe schreiben - und das ist ihm auch gelungen. ts.

Copyright © www.kino.de 2006.



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