3/11/2009 15:04
Wuppertal (ddp-nrw) Es ist eine Technik, auf die bislang Animationsfilme aus Hollywood setzten: Dreidimensional vorgeführte Werke wie «Ice Age 3» oder «Oben» begeistern mit ihren Raumeffekten in jüngster Zeit Millionen Kinozuschauer in aller Welt. Dass sich ausgerechnet ein Autorenfilmer wie Wim Wenders («Paris Texas», «Der Himmel über Berlin») für dieses Aufnahmeverfahren interessieren könnte, lag wohl eher fern. Und doch schickt sich Wenders nun an, den vielleicht ersten kompletten 3D-Realfilm in die Kinos zu bringen.
In Wuppertal hat Wenders mit den Dreharbeiten zu einem 3D-Dokumentarfilm über die im Juni überraschend gestorbene Tanzchoreographin Pina Bausch und ihr weltbekanntes Tanztheater begonnen Seine erste Bilanz nach Ansicht der ersten Testmuster: «Die Zuschauer werden den Tanz so erleben, als ob sie in einer privilegierten Reihe im Theater sitzen», sagt er am Dienstag in Wuppertal.
Zwei Wochen lang filmte Wenders die Wiederaufführungen der Bausch-Stücke «Cafe Müller» und «Das Frühlingsopfer» mit seinem Team im Wuppertaler Opernhaus Im Februar 2010 sollen Aufnahmen zum Stück «Kontakthof» folgen. Erst die 3D-Technik, schwärmt der Regisseur, werde den Bausch-Choreographien gerecht. Durch die dreidimensionalen Bilder werde die Bewegung der Tänzer im Raum auf eine Weise erfahrbar, wie das zuvor nicht möglich gewesen wäre.
Denn schon vor über 20 Jahren hatte Wenders mit Pina Bausch über einen Dokumentarfilm über deren Arbeit nachgedacht, als er Stücke von ihr bei Aufführungen in Venedig gesehen hatte «Ich dachte mir, das möchte ich mal filmen», erzählt er. Doch ein konkretes Projekt kam nie zustande, weil Wenders am Erfolg einer Umsetzung zweifelte: «Ich merkte, dass es nicht gehen würde, Pinas Kunst so aufzunehmen, dass dabei nichts auf der Strecke bliebe.»
Nach dem plötzlichen Tod von Bausch entschloss sich Wenders, die Pläne wieder aufzunehmen und auf die neue Aufnahmetechnik zu setzen In enger Kooperation mit dem Ensemble des Tanztheaters entsteht «Pina» nun als rund drei Millionen Euro teure deutsch-französische Koproduktion, die voraussichtlich 2011 in die Kinos kommen soll. Mit 3D könne er nun die «enorm visuelle Arbeit» von Bausch, in der wie im Kino Räume eingerichtet würden, umsetzen.
Auch beim Ensemble des Tanztheaters zeigt man sich von dem Projekt überzeugt «Ich bin sehr dankbar, dass es den Film geben wird», sagt der künstlerische Berater Dominique Mercy, Ensemblemitglied der ersten Stunde. Und sein Kollege Robert Sturm ergänzt: «Es ist eine schwere Aufgabe, Pinas Werk ohne Pina für den Film umzusetzen. Deshalb ist es ein Glücksfall für uns, dass Wim Wenders das Projekt angeht.»
Für den Filmemacher ist «Pina» nicht nur wegen der 3D-Technik eine neue Erfahrung Als Regisseur gewohnt, den Ton anzugeben, stellt er sich hier ganz in den Dienst der von ihm bewunderten Choreographin: «Ich greife nicht in ihre Inszenierung ein. Meine Aufgabe ist allein, eine Bildsprache für ihre Arbeit zu finden.»
(ddp)
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